Kulicha: Das kurdische Gebäck, das bei anderer Schreibweise verschwindet

Kulicha, auch Klêça oder Kulechê, ist das kurdische Kleingebäck: runde und halbmondförmige Stücke, gefüllt mit Datteln, Walnüssen oder Kokos, gewürzt mit Kardamom und Zimt, goldbraun gebacken und bei jeder kurdischen Feier zum Tee gereicht. Eine kurdische Foodbloggerin schrieb: „Wenn man danach googelt, erfährt man nicht, dass es kurdisch ist, außer man sucht nach Kulicha statt nach Kleicha. Die Schreibweise scheint bei der Bestimmung seiner Herkunft eine Rolle zu spielen.“ Wikipedia nennt Kleicha „das Nationalgebäck des Iraks“. Sie nennt es „ein Leuchtfeuer unserer Identität“. Kulicha wird in riesigen Mengen für Eid, Newroz, Hochzeiten und Familientreffen gebacken. Nachbarn werden zur Mithilfe gerufen. Der Teig wird zu Hause geformt und zum Backen in die Bäckerei gebracht. Es ist die gemeinschaftlichste kurdische Speise und jene, die durch einen einzigen veränderten Vokal am vollständigsten verschwindet.


Die wichtigsten Erkenntnisse

• Rundes und halbmondförmiges Gebäck mit Datteln, Walnüssen oder Kokos — mit Kardamom und Zimt gewürzt

• Gemeinsam in großen Mengen für Eid, Newroz und Hochzeiten hergestellt — Nachbarn helfen beim Formen, Bäckereien übernehmen das Backen

• Wer „kulicha“ sucht, findet kurdische Quellen; wer „kleicha“ sucht, findet „das Nationalgebäck des Iraks“ — die Schreibweise bestimmt die Identität

• Das Wort geht auf Pahlavi, also Mittelpersisch, kulūcha zurück — vorislamisch und vorarabisch, aus derselben Sprachfamilie wie Kurdisch


Fakten im Überblick

Kurdischer Name: Kulicha / Klêça (کولیچە)

Bezeichnet als: Kleicha (كليجة, arabisch) — „das Nationalgebäck des Iraks“

Füllungen: Dattelpaste, zerkleinerte Walnüsse mit Kardamom, Kokos mit Zucker

Anlass: Eid, Newroz, Hochzeiten, Familientreffen — gemeinschaftlich in großen Mengen hergestellt


Wie Kulicha zubereitet wird

Der Teig besteht aus Mehl, Butter oder Ghee, Zucker, Milch, Hefe und Kardamom. Er wird glatt geknetet und zum Gehen ruhen gelassen. Die Füllungen werden getrennt vorbereitet: Dattelpaste wird mit etwas Öl und Zimt geknetet, Walnüsse werden mit Zucker, Kardamom und Rosenwasser zerkleinert, Kokos wird mit Zucker vermischt. Für die runden Scheiben der Dattel-Kulicha wird der Teig flach ausgerollt, mit Dattelpaste bestrichen, zu einer Rolle aufgewickelt und in spiralförmige Scheiben geschnitten. Der Schnitt legt schöne konzentrische Ringe frei. Für die Halbmonde der Walnuss- oder Kokos-Kulicha wird der Teig zu kleinen Kreisen ausgerollt, gefüllt, zusammengefaltet und am Rand festgedrückt. Das Gebäck wird mit Ei bestrichen, manchmal mit Schwarzkümmel oder Sesam bestreut und goldbraun gebacken. In kurdischen Haushalten werden Tage vor Eid Hunderte Kulicha hergestellt. Kardamomduft erfüllt die Küche. Nachbarn kommen zum Formen, und wenn der eigene Ofen zu klein ist, werden die Bleche zur Bäckerei getragen.


Ein veränderter Vokal, eine verlorene Identität

Eine kurdische Foodbloggerin namens Dalia schrieb ungewöhnlich deutlich über dieses Gebäck: „Wenn man danach googelt, erfährt man nicht, dass es kurdisch ist, außer man sucht nach Kulicha statt nach Kleicha. Die Schreibweise scheint bei der Bestimmung seiner Herkunft eine Rolle zu spielen.“ Sie hat recht. Bei der Suche nach „kleicha“ nennt jedes Ergebnis es „irakisch“. Wikipedia bezeichnet es als „das Nationalgebäck des Iraks“. Wer „kulicha“ sucht, findet kurdische Foodblogger, kurdische Etsy-Anbieter und kurdische Rezeptseiten. Dasselbe Gebäck, dieselbe Füllung, derselbe Kardamom, doch die arabische Schreibweise lässt den kurdischen Ursprung verschwinden. Das Wort selbst geht auf Pahlavi, das mittelpersische kulūcha, zurück, aus derselben iranischen Sprachfamilie wie Kurdisch. Es ist kein arabisches Wort. Das Gebäck ist keine arabische Erfindung. Es wird in kurdischen Häusern, von kurdischen Händen, für kurdische Feiern geformt. Nur die Schreibweise verändert, wem es zugerechnet wird.


Schlussbetrachtung

Kulicha ist das Gebäck, an das sich jedes kurdische Kind erinnert. Es ist der Kardamomduft in der Küche Tage vor Eid. Es ist die Nachbarin, die kommt, um Hunderte Halbmonde zu formen. Es ist das goldene Blech, das zur Bäckerei getragen wird und warm zurückkehrt. Dalia nannte es „ein Leuchtfeuer unserer Identität“, und sie hat recht. Doch dieses Leuchtfeuer wird unsichtbar, sobald man es auf Arabisch schreibt. Vielleicht ist dies der eleganteste Mechanismus des Unsichtbarmachens in der ganzen Reihe: keine Umbenennung durch neue Vermarktung, keine Verschleierung durch geografische Zuordnung, keine Zertifizierung als geografische Angabe. Nur ein Vokalwechsel. Kulicha wird zu Kleicha, und kurdisch wird zu irakisch. Das Gebäck bleibt gleich. Die Hände, die es zubereiteten, bleiben gleich. Nur die Dokumentation verändert sich.


Quellen und weiterführende Literatur

Dalia’s Table — Kulicha/Kleicha: Für Kurden mehr als Gebäck („ein Leuchtfeuer der Identität“)

Life Diet Health — Traditionelle kurdische Kulicha für Eid (kurdische Backtradition zum Eid-Fest)

Wikipedia — Kleicha („das Nationalgebäck des Iraks“, Pahlavi-Etymologie)

Etsy — Handgemachte kurdische Kleicha (kurdischer handwerklicher Anbieter aus dem iranischen Kurdistan)