MÜNCHEN / ERBIL / QAMISHLI – Während die Münchner Sicherheitskonferenz heute, am 13. Februar 2026, beginnt, befindet sich die weltweite kurdische Gemeinschaft an einem historischen und gefährlichen Wendepunkt. Von den diplomatischen Korridoren Deutschlands, in denen viel auf dem Spiel steht, bis zu den sich verschiebenden Frontlinien Nordostsyriens steht der Kampf um kurdische Selbstbestimmung vor seinem bedeutendsten Wandel seit einem Jahrzehnt.

1. Der „Münchner Moment“: Diplomatie mit hohem Einsatz

Führende kurdische Politiker sind zur Sicherheitskonferenz 2026 nach München gekommen, die unter dem Motto „Under Destruction“ steht. Zur Delegation gehören:

  • Nechirvan Barzani: Präsident der Region Kurdistan im Irak (KRI).


  • Mazloum Abdi: Oberkommandierender der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF).


  • Elham Ahmed: Ko-Vorsitzende für Außenbeziehungen der Rojava-Verwaltung.


Ihre Anwesenheit markiert einen verzweifelten Vorstoß für internationale Garantien, während sich die „regelbasierte Ordnung“, auf die sie sich jahrelang verließen, offenbar verändert. Die Führungspersönlichkeiten werden voraussichtlich westliche Vertreter treffen, um die jüngsten drastischen Veränderungen in Syrien und die Stabilität der Region Kurdistan im Irak zu besprechen.

2. Rojava: Das Ende einer Ära?

Der tiefgreifendste Wandel findet in Nordostsyrien (Rojava) statt. Nach einer raschen Militäroffensive der neuen syrischen Übergangsregierung (STG) im Januar unter Ahmed al-Sharaa wurden die kurdisch geführten SDF zu einem wegweisenden „Integrationsabkommen“ gezwungen.

Die aktuelle Lage:

  • Militärische Integration: SDF-Einheiten werden schrittweise in die syrische Staatsarmee eingegliedert. Sie behalten zwar einen gewissen begrenzten regionalen Zusammenhalt, doch die Ära vollständiger militärischer Autonomie endet.


  • Rückkehr des Staates: Syrische Regierungstruppen haben begonnen, erstmals seit Jahren in wichtige Städte wie Qamishli und Hasakah einzurücken.


  • Kulturelle Zugeständnisse: Im Austausch gegen politische Kontrolle hat Damaskus Kurdisch als Nationalsprache anerkannt und Newroz, das kurdische Neujahr, zu einem offiziellen Feiertag erklärt.


  • Weltweite Reaktion: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan lobte diesen Schritt kürzlich und behauptete, die Region sei „von der Besatzung befreit“ worden. Kurdische Aktivisten in Europa und im Vereinigten Königreich veranstalteten dagegen Massenproteste gegen das, was sie als „westlichen Verrat“ bezeichnen.


3. Irakisch-Kurdistan: Politische Blockade und Einigungsgespräche

In der Region Kurdistan im Irak haben sich die beiden dominierenden Parteien, KDP und PUK, schließlich auf eine „vorläufige Vereinbarung“ zur Bildung eines gemeinsamen Rates verständigt. Dieser Schritt soll eine monatelange Blockade bei folgenden Fragen auflösen:

  • Die irakische Präsidentschaft: Beide Parteien konkurrieren um das Amt in Bagdad.


  • Regierungsbildung: Beilegung interner Streitigkeiten, um das nächste KRG-Kabinett zu bilden.


  • Wirtschaftlicher Druck: Die KRG erweitert derzeit im Vorfeld des Ramadan, der voraussichtlich am 17. Februar beginnt, Preiskontrollen und Marktinspektionen, um die Inflation zu bekämpfen.


Wichtige Spannungsfelder im Blick

Die IS-Frage: International wächst die Sorge um Tausende IS-Gefangene, die derzeit in kurdisch verwalteten Lagern festgehalten werden. Während syrische Staatskräfte diese Einrichtungen übernehmen, beobachten die USA und die EU aufmerksam die Gefahr möglicher Gefängnisausbrüche oder von Missmanagement.

Region

Wichtigste Entwicklung

Status

Syrien (Rojava)

Eingliederung in den syrischen Staat

Fragile Waffenruhe

Irak (KRI)

Bildung eines gemeinsamen KDP-PUK-Rates

Diplomatische Fortschritte

Deutschland

Münchner Sicherheitskonferenz

Laufende Verhandlungen

Die kommenden Wochen werden zeigen, ob das kurdische Volk den Übergang von „revolutionärer Autonomie“ zu einem stabilen Modell „integrierter Rechte“ bewältigen kann oder ob der Verlust territorialer Kontrolle zu einer neuen Ära der Marginalisierung führt.