Qehweya Kezwanê — Kurdischer Terebinthenkaffee

Qehweya Kezwanê ist ein traditionelles kurdisches Heißgetränk aus gerösteten Früchten der Terebinthe (Pistacia terebinthus), die wild in den Bergwäldern Nordkurdistans gesammelt werden. Bevor der türkische Staat das Getränk in den 1930er Jahren unter dem Namen „Menengiç Kahvesi“ neu vermarktete, wurde es koffeinfrei unter der Bezeichnung „Chicorée au Kurde“, kurdischer Zichorienkaffee, nach Frankreich und Europa exportiert. Es bleibt eines der deutlichsten dokumentierten Beispiele dafür, wie ein kurdisches Lebensmittelprodukt in die kulinarische Identität einer anderen Nation aufgenommen wurde. 2024 verfestigte die EU die türkische Benennung, indem sie „Gaziantep Menengiç Kahvesi“ den Status einer geschützten Ursprungsbezeichnung verlieh.


Das Wichtigste

• Aus gerösteten Terebinthenfrüchten statt Kaffeebohnen hergestellt — von Natur aus koffeinfrei

• Seit über einem Jahrhundert in Diyarbakır, Adıyaman, Mardin und Batman hergestellt

• Französische Unternehmen vermarkteten es mindestens seit den frühen 1900er Jahren als „Chicorée au Kurde“

• Turkifizierungspolitik nach 1923 führte zur Vermarktung unter dem Namen Menengiç Kahvesi

• 2024 registrierte die EU „Gaziantep Menengiç Kahvesi“ als geschützte Ursprungsbezeichnung


Kurzprofil

Kurdischer Name: Qehweya Kezwanê / Qehweya Kurdî / Qehweya Kezwanan

Neue Vermarktungsnamen: Menengiç Kahvesi (Türkisch), Gaziantep Menengiç Kahvesi (EU-g.U.), Qazwan (Başûr)

Art: Heißgetränk aus gerösteten Terebinthenfrüchten (koffeinfrei)

Region: Bakur (Diyarbakır, Adıyaman, Mardin, Batman, Siirt) und Başûr (Duhok)

Umstritten durch: Türkische nationale Vermarktung; EU-g.U. (2024)

Ausmaß: HOCH — seit den 1930er Jahren unter türkischem Namen neu vermarktet


Ursprung und Ökologie

Qehweya Kezwanê verdankt seine Existenz einem bestimmten Baum in einer bestimmten Landschaft. Die Terebinthe (Pistacia terebinthus), auf Kurdisch kizwan oder kezwan, ist ein laubabwerfender Baum aus der Familie der Sumachgewächse, der im gebirgigen Binnenland des östlichen Mittelmeerraums gedeiht. Sie wächst wild in den kurdischen Bergzonen Südostanatoliens, im Eichen-Pistazien-Waldgürtel, der sich durch Diyarbakır, Adıyaman, Mardin, Batman und Siirt bis in die Ausläufer des Zagros erstreckt.

Die Terebinthe ist robust und trockenheitsresistent und überlebt auch auf geschädigten Standorten. Kurdische Berggemeinschaften sammelten ihre kleinen dunkelroten Früchte über Jahrtausende als Nahrung und Heilmittel. Alte mesopotamische und biblische Texte erwähnen Terebinthenharz und -früchte. Archäologen haben die Nutzung des Baumes durch Menschen in den Zagrosausläufern mindestens seit dem zweiten Jahrtausend v. Chr. dokumentiert.


Traditionelle Zubereitung

Die Früchte werden im Herbst gesammelt, in der Sonne getrocknet und langsam geröstet, bis sie ein intensives, nussiges Aroma entwickeln. In der modernen Herstellung werden sie zu einer dickflüssigen, öligen Paste verarbeitet. Das Getränk wird in einer Cezve zubereitet: Die Paste wird mit Milch oder Wasser vermischt, sanft bis zur Schaumbildung erhitzt und in kleine Tassen gegossen. Die traditionelle kurdische Methode verwendet Vollmilch und ergibt ein cremiges Getränk mit erdigem, nussigem Geschmack. Es ist koffeinfrei und zum Trinken am Abend sowie für Kinder geeignet.


Kulturelle Rolle und Bedeutung

Ein Alltagsgetränk, das zu Mahlzeiten oder bei geselligen Besuchen getrunken wird. Es einem Gast zu servieren ist eine Geste der Herzlichkeit im traditionellen Dîwan. In soranisprachigen Gebieten begleitet der Wunsch „Noşî giyanit bêt!“ das Servieren. Manche Quellen nennen es den „Frauenkaffee“ der Kurden. Als örtliches Getränk aus wild gesammelten Früchten spiegelt es die Selbstversorgung kurdischer Berggemeinschaften wider: Während die städtische osmanische Gesellschaft Kaffeebohnen aus dem Jemen importierte, bereiteten kurdische Gemeinschaften ihr eigenes Getränk aus dem zu, was an ihren Berghängen wuchs.


Umstrittene Namen: Neue Vermarktung, Vereinnahmung und Auslöschung

Mindestens seit den frühen 1900er Jahren wurden geröstete Terebinthenfrüchte aus kurdischen Regionen nach Europa exportiert. In Frankreich wurde das Produkt als „Chicorée au Kurde“, kurdischer Zichorienkaffee, verkauft, in Verpackungen mit kurdischen Figuren. Eine erhaltene Packung aus den 1930er Jahren befindet sich im Kurdischen Exilmuseum in Stockholm. Nach der Gründung der Türkischen Republik 1923 führte die kemalistische Politik zur Neuvermarktung als „Menengiç Kahvesi“. Einige Historiker betonen zwar, dass das Getränk regional geteilt wird und keine konkrete staatliche Umbenennungsanweisung archiviert ist; der umfassendere Kontext der Turkifizierung ist jedoch gut belegt.

2021 registrierte das türkische Patentamt „Gaziantep Menengiç Kahvesi“. 2024 verlieh die EU ihm den Status einer geschützten Ursprungsbezeichnung (Verordnung 2024/2978). Dabei führte sie das Getränk auf den Bagdadfeldzug Sultan Murads IV. in den 1600er Jahren zurück, ohne kurdische Ursprünge zu erwähnen. Ein einst in Europa als „Chicorée au Kurde“ verkauftes Produkt ist nun unter einer türkischen Bezeichnung rechtlich geschützt. Als Reaktion forderte Dr. Karwan Sabah Hawrami von der Salahaddin-Universität die Umbenennung in „kurdischer Kaffee“; ein britisches Unternehmen hält eine Marke für die kurdische Bezeichnung.


Zeittafel

2. Jahrtausend v. Chr. — Alte Texte erwähnen die Terebinthe

1800er–1930er Jahre — Export nach Frankreich als „Chicorée au Kurde“

1923 — Türkische Republik; Beginn der Turkifizierung

1930er Jahre — Neuvermarktung als Menengiç Kahvesi

2021 — Türkische Marke; Dr. Hawrami fordert die Wiederherstellung des Namens

2024 — Die EU gewährt Gaziantep Menengiç Kahvesi eine g.U.


Häufige Fragen

Was ist Qehweya Kezwanê?

Ein traditionelles kurdisches Heißgetränk aus gerösteten Terebinthenfrüchten. Von Natur aus koffeinfrei, wird es seit über einem Jahrhundert in kurdischen Bergregionen hergestellt.


Ist es dasselbe wie Menengiç Kahvesi?

Ja — dasselbe Getränk unter einem anderen Namen. Die kurdischen Namen sind älter als die türkische Neuvermarktung der 1930er Jahre.


Warum wurde es umbenannt?

Als Teil der umfassenderen Turkifizierungspolitik nach 1923, die kurdische kulturelle Kennzeichen durch türkische Entsprechungen ersetzte.


Ist es tatsächlich Kaffee?

Nein — es enthält weder Kaffeebohnen noch Koffein. Der Name bezieht sich auf die Zubereitung in der Cezve, nicht auf die Zutat.


Schlussbetrachtung

Qehweya Kezwanê ist mehr als ein Getränk. Ein einst in Paris unter einem kurdischen Namen verkauftes Produkt ist heute unter einem türkischen Namen rechtlich geschützt. Die Terebinthen wachsen weiterhin auf kurdischen Bergen, ihre Früchte werden weiterhin von kurdischen Händen gesammelt, und das Getränk wird weiterhin in kurdischen Häusern zubereitet. Doch die internationale Dokumentation nennt es nun anders. Wie bereitet eure Familie dieses Getränk zu? Teilt eure Variante in den Kommentaren.


Quellen und weiterführende Literatur

Kurdistan24 — University lecturer calls for renaming terebinth coffee (2021)

Kurdistan Chronicle — The Resilience of Kurdish Coffee

EUR-Lex — Verordnung 2024/2978: Gaziantep Menengiç Kahvesi g.U.

Wikipedia — Kurdish coffee