Wer war Abdul Rahman Ghassemlou?
Abdul Rahman Ghassemlou war ein kurdischer politischer Führer und Intellektueller aus dem Iran, geboren 1930 in Urmia. Er amtierte als Generalsekretär der Demokratischen Partei Iranisch-Kurdistans (KDPI) und wurde von iranischen Staatsagenten in Wien am 13. Juli 1989 ermordet, während er mit Vertretern der iranischen Regierung über eine friedliche Lösung der kurdischen Frage verhandelte.
Er war der intellektuell versierteste kurdische politische Führer des 20. Jahrhunderts. Er verband tiefgehende theoretische Kenntnisse des Marxismus, der Sozialdemokratie und nationaler Befreiungstheorien mit der praktischen politischen Führung einer der bedeutendsten kurdischen politischen Organisationen. Seine Bücher und Artikel formulierten eine Vorstellung kurdischer Autonomie innerhalb eines demokratischen Iran, die bis heute zu den am weitesten ausgearbeiteten Konzepten kurdischer politischer Bestrebungen zählt.
Seine Ermordung in Wien war ein verheerender Schlag für die kurdische politische Bewegung und ein dreister Akt staatlichen Terrorismus auf europäischem Boden. In der Wohnung eines österreichischen Vermittlers wurde er zusammen mit zwei Kollegen bei vermeintlichen Friedensverhandlungen durch einen Schuss in den Hinterkopf getötet. Die Entscheidung der österreichischen Regierung, die iranischen Täter offenbar aus diplomatischen Gründen nicht strafrechtlich zu verfolgen, wurde als Versagen der europäischen Justiz kritisiert.
Wichtige Erkenntnisse
• Abdul Rahman Ghassemlou (1930–1989) war Generalsekretär der KDPI und der intellektuell bedeutendste kurdische politische Führer des 20. Jahrhunderts.
• Iranische Staatsagenten ermordeten ihn in Wien am 13. Juli 1989, während er über kurdische Rechte verhandelte.
• Er verband tiefgehende theoretische Kenntnisse mit der praktischen politischen Führung der KDPI.
• Seine Bücher formulierten eine Vorstellung kurdischer Autonomie innerhalb eines demokratischen Iran, die weiterhin ein Bezugspunkt kurdischen politischen Denkens ist.
• Seine Ermordung in Europa zeigte die Bereitschaft des Iran, auf westlichem Boden staatlichen Terrorismus auszuüben.
Kurzüberblick
Inhaltsverzeichnis
Wichtige Leistungen und Beiträge
Chronologie und wichtige Ereignisse
Debatten und historische Fragen
Vermächtnis und kulturelle Wirkung
Verbindungen zur kurdischen Geschichte
Quellen und weiterführende Literatur
Frühes Leben und Herkunft
Abdul Rahman Ghassemlou wurde 1930 in Urmia in der Region Mukriyan im iranischen Kurdistan geboren. Er studierte im Iran und setzte seine höhere Ausbildung anschließend in Europa fort, unter anderem an der Karls-Universität in Prag. Dort entwickelte er den theoretischen Rahmen, der seine politische Arbeit prägen sollte. Er promovierte in Wirtschaftswissenschaften und verband schon früh akademische Bildung mit politischem Engagement.
Er war Mitglied der KDPI und stieg in ihre Führung auf. Schließlich wurde er ihr Generalsekretär, ein Amt, das er bis zu seiner Ermordung innehatte.
Historischer Kontext
Die Demokratische Partei Iranisch-Kurdistans (KDPI) war 1945 gegründet worden und mit der Kurdischen Republik Mahabad verbunden. Nach deren Niederschlagung bestand sie zunächst als Untergrundorganisation und später als Exilorganisation fort. Unter Ghassemlous Führung wurde sie zur bedeutendsten kurdischen politischen Organisation im Iran. Sie setzte sich für kurdische Autonomie innerhalb eines demokratischen Iran ein, statt Unabhängigkeit anzustreben.
Die Iranische Revolution von 1979 schien zunächst eine Gelegenheit für kurdische Autonomie zu bieten, doch die Islamische Republik wandte sich rasch gegen kurdische Bestrebungen. In den frühen 1980er-Jahren führte die KDPI einen Guerillakrieg gegen iranische Truppen, während Ghassemlou zugleich diplomatische Wege verfolgte.
Wichtige Leistungen und Beiträge
Die Führung der KDPI und kurdische politische Theorie
Ghassemlous Führung machte die KDPI zur intellektuell und organisatorisch am weitesten entwickelten kurdischen politischen Organisation im Iran. Sie verband militärischen Widerstand mit politischer Diplomatie und intellektueller Arbeit. Seine Schriften formulierten ein schlüssiges Konzept kurdischer Autonomie innerhalb eines demokratischen iranischen föderalen Rahmens, das zum Bezugspunkt iranisch-kurdischen politischen Denkens wurde.
Seine Bücher, darunter Kurdistan and the Kurds, boten wissenschaftlich fundierte und zugängliche Darstellungen kurdischer Geschichte und politischer Bestrebungen. Sie wurden von kurdischen wie internationalen Lesern vielfach gelesen.
Verhandlungen und Ermordung
Ghassemlous Bereitschaft, durch österreichische Vermittlung in Wien mit der Islamischen Republik zu verhandeln, zeigte seinen Einsatz für eine friedliche Lösung der kurdischen Frage. Seine Ermordung während dieser Verhandlungen offenbarte die tatsächlichen Absichten der Islamischen Republik und machte ihn zu einem Märtyrer der kurdischen Sache.
Das Attentat von Wien zählt zu den berüchtigtsten Akten iranischen Staatsterrorismus in Europa. Ghassemlous Tod beraubte die kurdische Bewegung ihres brillantesten politischen Kopfes.
Chronologie und wichtige Ereignisse
Debatten, Kontroversen und historische Fragen
Der Umgang der österreichischen Regierung mit dem Wiener Attentat ist vielfach kritisiert worden: Sie verzichtete trotz Hinweisen auf die Identität der iranischen Täter auf deren strafrechtliche Verfolgung. Ermittler und europäische Gerichte haben in späteren Fällen iranischen Staatsterrorismus in Europa die Verantwortung des iranischen Staates mit einem hohen Maß an Gewissheit festgestellt.
Vermächtnis und kulturelle Wirkung
Abdul Rahman Ghassemlou verkörpert den intellektuellen und politischen Höhepunkt der kurdischen Nationalbewegung im Iran. Seine Ermordung beraubte das kurdische Volk seines brillantesten politischen Kopfes genau zu dem Zeitpunkt, als er eine friedliche Lösung zu erreichen versuchte. Sein Vermächtnis ist die von ihm formulierte Vorstellung kurdischer Autonomie innerhalb eines demokratischen Iran, die weiterhin der Bezugspunkt iranisch-kurdischen politischen Denkens ist.
Verbindungen zur kurdischen Geschichte
Qazi Muhammad – Präsident der Kurdischen Republik Mahabad, dessen Partei Ghassemlou führte
Ezaddin Husseini – kurdischer iranischer religiöser Führer und politischer Partner
Karim Sanjabi – kurdischer iranischer Politiker aus einer anderen Tradition
Häufige Fragen
Wer war Abdul Rahman Ghassemlou?
Abdul Rahman Ghassemlou (1930–1989) war Generalsekretär der Demokratischen Partei Iranisch-Kurdistans (KDPI) und der intellektuell bedeutendste kurdische politische Führer des 20. Jahrhunderts. Iranische Staatsagenten ermordeten ihn in Wien am 13. Juli 1989, während er über kurdische Rechte verhandelte.
War Abdul Rahman Ghassemlou Kurde?
Ja. Er wurde in Urmia in der Region Mukriyan im iranischen Kurdistan geboren und widmete sein Leben der kurdischen Nationalbewegung im Iran.
Wie wurde er getötet?
Er wurde in Wien am 13. Juli 1989 zusammen mit zwei Kollegen durch einen Schuss in den Hinterkopf getötet, während vermeintliche Friedensverhandlungen mit Vertretern der iranischen Regierung stattfanden. Das Attentat wird iranischen Staatsagenten zugeschrieben.
Welche politische Vision vertrat er?
Er setzte sich für kurdische Autonomie innerhalb eines demokratischen iranischen föderalen Rahmens ein: nicht für Unabhängigkeit, sondern für substanzielle Selbstverwaltung Kurdistans innerhalb eines reformierten demokratischen Iran. Diese Vorstellung wird in seinen Schriften ausgeführt und bleibt der Bezugspunkt iranisch-kurdischen politischen Denkens.
Quellen und weiterführende Literatur
Wikipedia-Beitragende. 'Abdul Rahman Ghassemlou.' Wikipedia. Abgerufen 2025.
Wikipedia-Beitragende. 'Vienna KDPI assassination.' Wikipedia. Abgerufen 2025.
