Wer war Al-Hasan ibn Marwan?
Al-Hasan ibn Marwan war der zweite Herrscher der kurdischen Marwanidendynastie. Er übernahm die Macht um 990 n. Chr. unmittelbar nach dem Tod des Dynastiegründers Badh ibn Dustak; Abu Ali war dabei Al-Hasans eigene Kunya und bezeichnete keinen gesonderten Herrscher. Er war der Sohn Marwan ibn Dustaks, des Familienoberhaupts, nach dem die Dynastie benannt wurde. Seine Nachfolge festigte den dynastischen Herrschaftsanspruch der Familie über Diyar Bakr. Die Marwaniden (983–1085 n. Chr.) waren ein kurdisches Herrscherhaus, das Diyar Bakr, die Region des heutigen Diyarbakır im Südosten der Türkei, kontrollierte und seine Herrschaft zeitweise auf Bitlis und Mosul ausdehnte. Die vom kurdischen Krieger Badh ibn Dustak gegründete Dynastie regierte über ein Jahrhundert aus ihren beiden Hauptstädten Mayyafariqin, dem heutigen Silvan, und Amid, dem heutigen Diyarbakır. In ihrem goldenen Zeitalter unter Nasr al-Dawla Ahmad (1011–1061 n. Chr.) balancierte sie meisterhaft den Druck von Byzantinern, Fatimiden und Buyiden und förderte einen der kultiviertesten kurdischen Höfe der mittelalterlichen islamischen Welt.
Al-Hasan ibn Marwans Herrschaft war eine Phase der Festigung der jungen Marwanidendynastie. Er musste sich im komplexen politischen Umfeld des mittelalterlichen Vorderen Orients behaupten: gegenüber byzantinischem Druck aus dem Westen, buyidischer Macht im Süden und der beständigen Herausforderung, die vielfältige kurdische Stammespolitik Diyar Bakrs zu gestalten. Dass er diese Aufgaben bewältigte, trug dazu bei, die Voraussetzungen für das spätere goldene Zeitalter unter Nasr al-Dawla Ahmad zu schaffen.
Das Wichtigste
Al-Hasan ibn Marwan war um 990 n. Chr. der zweite Marwanidenherrscher und Sohn Marwan ibn Dustaks, des Namensgebers der Dynastie.
Nach der Gründung der Dynastie durch Badh ibn Dustak festigte er die kurdische Macht der Marwaniden in Diyar Bakr.
Die Marwaniden kontrollierten Amid, das heutige Diyarbakır, und Mayyafariqin, zwei der strategisch bedeutendsten Städte Obermesopotamiens.
Seine Herrschaft stabilisierte die frühen Jahre der Dynastie und bereitete das goldene Zeitalter unter Nasr al-Dawla Ahmad (1011–1061 n. Chr.) vor.
Kurdische Historiker betrachten die Marwaniden, die das kurdische Kerngebiet um Diyarbakır regierten, als eine der größten kurdischen Dynastien des Mittelalters.
Kurzprofil
Inhaltsverzeichnis
Festigung der marwanidischen Macht
Zeittafel wichtiger Ereignisse
Frühes Leben und Herkunft
Al-Hasan ibn Marwan war der Sohn Marwan ibn Dustaks, des Onkels des militärischen Dynastiegründers Badh ibn Dustak, nach dem die Dynastie ihren Namen erhielt. Er stammte aus dem kurdischen Hadhbani-Stamm und wuchs im Umfeld der neu begründeten politischen Macht seiner Familie in Diyar Bakr auf. Seine Thronfolge stellte den natürlichen Übergang von der Gründergeneration um Badh zur Familienlinie Marwan ibn Dustaks dar.
Als kurdischer Marwanidenherrscher gehörte Al-Hasan ibn Marwan zu jener breiteren Tradition kurdischer dynastischer Herrschaft, die die islamische Welt des 10.–11. Jahrhunderts prägte. Die Marwaniden regierten Amid, das heutige Diyarbakır, die große ummauerte Stadt am Tigris, deren schwarze Basaltbefestigungen noch immer zu den eindrucksvollsten mittelalterlichen Bauleistungen der kurdischen Welt zählen.
Historischer Kontext
Al-Hasan ibn Marwans Herrschaft fiel in eine Phase anhaltender politischer Zersplitterung der islamischen Welt. Die Buyidendynastie kontrollierte Bagdad und das abbasidische Kalifat. Zugleich stand das Byzantinische Reich unter Basileios II. auf dem Höhepunkt seiner militärischen Macht und drang nach Anatolien und Syrien vor. Das fatimidische Kalifat in Ägypten bildete ein alternatives Zentrum sunnitischer/ismailitischer Macht. Zwischen diesen Großmächten gelegen, mussten die Marwaniden sich mit beträchtlichem diplomatischem Geschick in dieser komplexen Landschaft bewegen.
Die strategische Bedeutung Diyar Bakrs als Verbindung zwischen Anatolien und Mesopotamien sowie zwischen der byzantinischen Welt und dem islamischen Osten machte die Region zu einem Schauplatz intensiver diplomatischer und militärischer Aktivitäten. Dass Al-Hasan ibn Marwan dort die marwanidische Unabhängigkeit bewahrte, war eine bedeutende politische Leistung.
Festigung der marwanidischen Macht
Stabilität nach der Gründung
Die Zeit von Badhs Tod (990 n. Chr.) bis zur Herrschaft Al-Hasan ibn Marwans war für das Überleben der Marwanidendynastie entscheidend. Der Übergang vom militärischen Gründer zu seinem Neffen und anschließend zum Sohn des Namensgebers ohne politischen Zusammenbruch zeigte die institutionelle Stärke der von Badh geschaffenen kurdischen Dynastie. Al-Hasans Festigung dieses Erbes trug wesentlich dazu bei, dass das Herrscherhaus schließlich ein Jahrhundert lang regieren konnte.
Die marwanidische Hauptstadt Amid
Die große Stadt Amid, das heutige Diyarbakır, war das Juwel des Marwanidenstaates. Ihre mächtigen schwarzen Basaltmauern, bereits nach mittelalterlichen Maßstäben uralt, machten sie zu einer der am besten zu verteidigenden Städte des Vorderen Orients. Die Marwaniden regierten sie als ihren wichtigsten Machtsitz. Die bis heute fortbestehende kurdische Verbundenheit mit Diyarbakır hat tiefe Wurzeln in der Marwanidenzeit. Al-Hasan ibn Marwans Regierung Amids trug zur Kontinuität des kurdischen kulturellen und politischen Lebens in dieser Stadt bei.
Zeittafel wichtiger Ereignisse
Debatten, Kontroversen und Missverständnisse
Über Al-Hasan ibn Marwan bieten die erhaltenen historischen Quellen nur begrenzte Einzelheiten. Kurdische Historiker bestätigen seinen Platz in der marwanidischen Herrscherfolge als Sohn des Dynastienamensgebers und als Festiger kurdischer Macht in Diyar Bakr. Zugleich erkennen sie die Grenzen der historischen Überlieferung zu dieser Übergangsphase der Dynastie an.
In der westlichen Geschichtsschreibung werden die Marwaniden bisweilen vor allem als arabische oder regionale Dynastie eingeordnet. Kurdische Historiker verorten sie entschieden innerhalb der kurdischen dynastischen Tradition: Ihre Herkunft aus dem kurdischen Hadhbani-Stamm, ihre Bezeichnung als kurdische Herrscher in mittelalterlichen Quellen und ihre jahrhundertlange Herrschaft über das kurdische Kerngebiet um Diyarbakır bestätigen ihre kurdische Identität.
Vermächtnis und kulturelle Wirkung
Al-Hasan ibn Marwans Vermächtnis besteht in seinem Beitrag zur Stabilisierung der Marwanidendynastie während ihrer Entstehungsjahre. Ohne diese Festigung hätte sie womöglich nicht lange genug überlebt, um den großen Nasr al-Dawla Ahmad hervorzubringen. Seine Herrschaft war ein notwendiges Kapitel in der Geschichte einer der erfolgreichsten kurdischen Dynastien der mittelalterlichen islamischen Welt.
Für das kurdische Volk verkörpern die Marwanidendynastie und jeder ihrer Herrscher, darunter Al-Hasan ibn Marwan, ein Jahrhundert kurdischer Souveränität über Diyarbakır. Die Stadt bleibt die wichtigste kurdische Kulturhauptstadt der modernen Zeit. Das marwanidische Erbe in Diyarbakır gehört zu den tiefen historischen Wurzeln der Kurden in dieser alten Stadt.
Häufige Fragen
Wer war Al-Hasan ibn Marwan?
Al-Hasan ibn Marwan war um 990 n. Chr. der zweite Herrscher der kurdischen Marwanidendynastie und Sohn Marwan ibn Dustaks, ihres Namensgebers. Nach Badh ibn Dustaks Gründung der Dynastie festigte er die kurdische marwanidische Macht in Diyar Bakr. Kurdische Historiker sehen ihn als Teil der frühen Herrscherfolge, die die Grundlage für das goldene Zeitalter der Dynastie schuf.
Welche Hauptstädte hatten die Marwaniden?
Die Marwanidendynastie hatte zwei wichtigste Hauptstädte: Mayyafariqin, das heutige Silvan in der Türkei, und Amid, das heutige Diyarbakır in der Türkei. Amid war die bekanntere der beiden, eine große befestigte Stadt am Tigris mit mächtigen schwarzen Basaltmauern. Diese sind heute UNESCO-Welterbe und gehören zu den bedeutendsten Baudenkmälern kurdischer Geschichte.
Quellen und weiterführende Literatur
Marwanids — Wikipedia (en.wikipedia.org/wiki/Marwanids); Encyclopaedia Britannica.
Bosworth, C.E. — The New Islamic Dynasties, Columbia University Press, 1996.
