Wer ist Leyla Zana?

Leyla Zana ist eine kurdische Politikerin, geboren 1961 in Silvan, historisch Farqin, im Südosten der Türkei. 1991 wurde sie als erste kurdische Frau in das türkische Parlament gewählt. Am Tag ihrer Vereidigung schrieb sie Geschichte, indem sie ihrem Eid einen Satz auf Kurdisch hinzufügte: „Ich lege diesen Eid für die Brüderlichkeit des kurdischen und des türkischen Volkes ab.“ Kurdisch im türkischen Parlament zu sprechen, wo die Sprache offiziell verboten war, löste einen Aufruhr aus und setzte eine Entwicklung in Gang, die zu ihrer Inhaftierung führte.

1994 wurde ihre parlamentarische Immunität aufgehoben. Zusammen mit drei weiteren kurdischen Abgeordneten wurde sie inhaftiert und wegen ihrer politischen Äußerungen und ihres Eintretens für die kurdische Identität wegen „Separatismus“ verurteilt. Sie verbrachte zehn Jahre im Gefängnis, von 1994 bis 2004. Während dieser Zeit wurde sie zu einer der bekanntesten politischen Gefangenen der Welt. 1995 verlieh ihr das Europäische Parlament den Sacharow-Preis für geistige Freiheit.

Sie ist mit Mehdi Zana verheiratet, dem ehemaligen kurdischen Bürgermeister von Diyarbakır, der selbst wegen seines Einsatzes für kurdische Rechte inhaftiert wurde. Als Paar sind Leyla und Mehdi Zana die prominentesten Symbole des demokratischen kurdischen Widerstands gegen die Unterdrückung durch den türkischen Staat.


Das Wichtigste im Überblick

• Erste kurdische Frau, die in das türkische Parlament gewählt wurde (1991).

• Sprach während ihres parlamentarischen Eids Kurdisch; dies löste einen Aufruhr aus und führte zu ihrer Inhaftierung.

• Zehn Jahre inhaftiert, 1994–2004; erhielt während der Haft den Sacharow-Preis (1995).

• Ehefrau von Mehdi Zana; gemeinsam das prominenteste Paar des demokratischen kurdischen Widerstands in der Türkei.

• Weltweites Symbol für kurdische politische Rechte und Meinungsfreiheit.


Kurzporträt


Inhaltsverzeichnis

Frühes Leben

Kontext

Leistungen

Zeitleiste

Debatten

Vermächtnis

Verbindungen

Häufig gestellte Fragen

Quellen


Frühes Leben

Sie wurde 1961 in Silvan (Farqin) im Südosten der Türkei geboren. Sie heiratete Mehdi Zana, den kurdischen Bürgermeister von Diyarbakır, und wurde durch seine Inhaftierung und ihren eigenen Einsatz für kurdische Rechte politisch aktiv. Bei den Parlamentswahlen 1991 wurde sie zur Abgeordneten gewählt.


Historischer Kontext

Anfang der 1990er-Jahre befand sich die Türkei in der gewaltsamsten Phase ihres Kurdenkonflikts. Der Gebrauch der kurdischen Sprache in offiziellen Zusammenhängen, auch im Parlament, war verboten. Leyla Zanas Entscheidung, bei ihrer Vereidigung Kurdisch zu sprechen, war zugleich eine politische Erklärung und ein Bekenntnis zur kulturellen Identität, das der türkische Staat als untragbar empfand.


Leistungen

Parlamentarischer Eid und zehn Jahre Haft

Dass Leyla Zana bei ihrem parlamentarischen Eid am 6. November 1991 Kurdisch sprach, war eine der mutigsten Einzelhandlungen in der Geschichte kurdischer Politik in der Türkei. Vergleichbar war Şerafettin Elçis Erklärung „Ich bin Kurde“ von 1979. Zana kannte die Folgen und entschied sich für ihre kulturelle Identität statt für institutionelle Anpassung.

Ihre zehnjährige Haft (1994–2004) machte ihren Fall zu einem internationalen Anliegen. Der Sacharow-Preis, die Kampagnen von Amnesty International und anderen Menschenrechtsorganisationen sowie die Aufmerksamkeit europäischer Politiker richteten sich auf ihren Fall. Ihre Freilassung 2004 war zum Teil eine Folge des EU-Beitrittsprozesses der Türkei.


Zeitleiste


Debatten

Ihre kurdische Identität und ihre Inhaftierung aus politischen Gründen sind belegt und international dokumentiert.


Vermächtnis

Leyla Zana ist ein weltweites Symbol für kurdische politische Rechte und den Mut, sich unter hohen persönlichen Kosten zur eigenen kulturellen Identität zu bekennen. Ihre zehnjährige Haft dafür, dass sie im Parlament Kurdisch gesprochen hatte, machte ihr Anliegen weltweit bekannt und trug zur späteren Lockerung der Beschränkungen für die kurdische Sprache in der Türkei bei.


Verbindungen

Mehdi Zana — ihr Ehemann; kurdischer Bürgermeister von Diyarbakır

Şerafettin Elçi — bekannte sich ebenfalls unter hohen persönlichen Kosten zu seiner kurdischen Identität

Musa Anter — kurdischer Aktivist aus der Türkei, 1992 ermordet


Häufig gestellte Fragen

Wer ist Leyla Zana?

Leyla Zana, geboren 1961, war die erste kurdische Frau, die in das türkische Parlament gewählt wurde (1991). Nachdem sie bei ihrer Vereidigung Kurdisch gesprochen hatte, wurde sie für zehn Jahre inhaftiert (1994–2004). 1995 erhielt sie den Sacharow-Preis und wurde zu einer der bekanntesten politischen Gefangenen des 20. Jahrhunderts.

Ist Leyla Zana Kurdin?

Ja. Sie wurde in Silvan im Südosten der Türkei geboren und hat ihr Leben den politischen Rechten der Kurden gewidmet.

Was sagte sie im Parlament auf Kurdisch?

Sie fügte ihrem Eid hinzu: „Ich lege diesen Eid für die Brüderlichkeit des kurdischen und des türkischen Volkes ab.“ Dies sagte sie auf Kurdisch. Dieses sprachliche Bekenntnis in einem Parlament, in dem Kurdisch verboten war, führte schließlich zu ihrer Inhaftierung.


Quellen

Wikipedia-Autoren. „Leyla Zana.“ Wikipedia. Abgerufen 2025.