Das Wasserritual des Siegelns ist besonders mit Kaniya Spî in Lalish verbunden. Alter und Bedeutung variieren.

Steinbogen und niedriger Steinsims in Lalish, davor ein großes angelehntes weißes Metallgitter, Bäume über der Mauer
Levi Clancy, Steinbau am Komplex der Weißen Quelle, 9. September 2017. Keine Taufe oder zurückgekehrte Überlebende abgebildet. © Levi Clancy · 9 September 2017 · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · Reduced-resolution copy; no crop.

Name und Unterscheidung

Mor kirin bedeutet stempeln oder siegeln und wird als Taufe übersetzt. Kreyenbroek unterscheidet davon bisk, den ersten Haarschnitt eines Jungen, der in der Diaspora ebenfalls Taufe heißen kann. Die regionale Bedeutung unterscheidet sich. [1]

Ein bestimmter heiliger Ort

Kaniya Spî heißt auch Ain Baydha. Columbia dokumentiert den Bau über der Quelle südwestlich von Scheich Adis Hauptheiligtum. Die vorgeschlagene Datierung ins 12.–13. Jahrhundert betrifft den Bau, nicht den nachgewiesenen Ursprung des Ritus. Transportiertes Wasser erhält die Verbindung zu Lalish. [2]

Beschreibungen der Zeremonie

Açıkyıldız beschreibt dreimaliges Besprengen des Kinderkopfes, kurdische religiöse Worte und die Anwesenheit der Familie. [3] Laut Kreyenbroek kann die amtierende Person eine Frau oder ein Mann aus einer Scheich- oder Pirfamilie sein. [1] Beschreibung bedeutet keine Vollmacht zur Durchführung.

Alter und Zugang

Der Bericht von 2005 nennt neun oder zehn Jahre als Ideal, Açıkyıldız frühe Kindheit; beide erlauben spätere Durchführung. [1] [3] Für Menschen ohne Reisemöglichkeit wird Wasser gebracht. [2] Daraus folgt kein einheitliches Pflichtalter für alle Familien.

Religiöse Deutung

Aysifs Interviews in Lalish vom Juli 2015, auch mit der Hüterin Esmer Esmaîl Mirad, behandeln spirituelle Waschung, Versprechen und Treue. Die Quelle ist mit Schöpfungserzählungen verbunden. Selakirin mit Zimzimwasser wird unterschieden. Das sind Glaubensdeutungen, keine geologischen oder medizinischen Befunde. [4]

Initiation ist keine offene Konversion

Açıkyıldız beschreibt ererbte Zugehörigkeit und endogame Gemeinschaft. [3] Die Waschung bietet Außenstehenden keinen allgemeinen Übertrittsweg. Ein später Ritus beweist ebenso wenig, dass die Person zuvor nicht zur Gemeinschaft gehörte.

Rückkehr von Überlebenden

Yazda beschreibt am 26. Juni 2019 auf Wunsch von Überlebenden organisierte Lalishbesuche gegen Stigmatisierung. Derselbe Text benennt ungelöste Schwierigkeiten von Müttern und Kindern aus sexualisierter Gewalt. Nicht jede Rückkehr war gleich oder problemlos; ein Ritual löst nicht sämtliche Folgen. [5]

Ursprung und Nachweis

Ähnlichkeit mit christlicher Taufe beweist keinen Ursprung; Kreyenbroek lässt die Frage offen. [1] Auch Aysifs Mithrasbezüge sind Möglichkeiten, keine bewiesene ununterbrochene Abstammung. [4] Praxis, Glaubensbericht und Vermutung bleiben zu trennen.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Philip G. Kreyenbroek, Yazidis ii. Initiation in Yazidism, Encyclopaedia Iranica, published 20 July 2005, updated 7 April 2017; published account of regional rites.
  2. Matthew Peebles and Helen Malko, Ain Baydha, Mapping Mesopotamian Monuments, Columbia University (2020); site profile and 2013 documentation.
  3. Birgül Açıkyıldız, Yazidi rites sections in Tradition from the cradle to the grave, Diyarbakır’s Memory; community membership, ceremony and timing.
  4. Rezan Shivan Aysif, The Role of Nature in Yezidism (2021), pp. 186–191; interviews, mor kirin and selakirin. Existing local research copy consulted.
  5. Yazda, contribution to the Special Rapporteur’s report on trafficking in persons, 26 June 2019; the organisation’s own account of survivor-led visits and unresolved exclusion.
  6. Levi Clancy, Lalish, the holiest place in Ezidkhan. 05, 9 September 2017, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.