Tepsî: Der kurdische Gemüseauflauf, den Wikipedia „irakisch“ nennt

Tepsî (تەپسی) ist ein kurdischer geschichteter Gemüseauflauf: Auberginen, grüne Paprika, Zucchini, Kartoffeln, Zwiebeln und Fleischbällchen, langsam in einer gewürzten Tomatensauce gebacken. Wikipedia, Alchetron und jede kurdische Lebensmittelquelle führen es als Grundnahrungsmittel kurdischer Küche auf. Der eigene Wikipedia-Artikel zum selben Gericht ordnet es dennoch der „irakischen Küche“ zu, mit „Herkunftsort: Irak“ und „Geschaffen von: Irakern“, ohne kurdische Ursprünge zu erwähnen. Die kurdische Variante trägt eine besondere Gewürzsignatur aus Tamarindensirup, Granatapfelmelasse, Kardamom, Ingwer und Zimt, die sie von der irakisch-arabischen Zubereitung unterscheidet. Tepsî wird in ganz Kurdistan und im Irak gegessen, doch der kurdische Name und die Würzung bleiben in internationalen Lebensmittelmedien unsichtbar.


Wichtige Erkenntnisse

• Geschichteter Auflauf aus Auberginen, Paprika, Zucchini, Kartoffeln und Fleischbällchen in gewürzter Tomatensauce, gebacken und mit Reis serviert

• Auf der Wikipedia-Seite zur kurdischen Küche als Grundnahrungsmittel aufgeführt, während der eigene Artikel zum Gericht „irakische Küche“ nennt und Kurden nicht erwähnt

• Die kurdische Zubereitung verwendet Tamarinde, Granatapfelmelasse, Kardamom, Ingwer und Zimt: ein säuerliches, wärmendes Gewürzprofil, das sich von der irakisch-arabischen Variante unterscheidet

• Ein gemeinsames Gericht kurdischer und irakisch-arabischer Gemeinschaften, dessen kurdischer Name Tepsî und Würzung in internationalen Texten über Essen ausgelöscht werden


Kurzüberblick

Kurdischer Name: Tepsî (تەپسی)

Arabischer Name: Tepsi Baytinijan (تبسي بيتنجان)

Art: Geschichteter Gemüse-Fleischbällchen-Auflauf, im Ofen gebacken und mit Reis serviert

Kurdische Würzung: Tamarindensirup, Granatapfelmelasse, Kardamom, Ingwer, Zimt

Status: Gemeinsames kurdisch-irakisches Gericht, in internationalen Quellen allein der „irakischen Küche“ zugeschrieben


Die kurdische Zubereitung

Auberginenscheiben, Kartoffelscheiben und Zwiebelringe werden leicht goldbraun angebraten. Grüne Paprikastücke werden mit Knoblauch und Tomatenmark angebraten. Anschließend entsteht eine Sauce mit gehackten Tomaten, Tamarindensirup und Limettensaft, den Säuerungsmitteln, die die kurdische Variante prägen. Gewürzte Fleischbällchen aus Lamm- oder Rindfleisch mit Zwiebeln, Knoblauch, Kreuzkümmel und Koriander werden gebräunt. Alles wird in einer tiefen Form geschichtet: Auberginen, Kartoffeln, Zwiebeln und Fleischbällchen. Darüber wird die Tomatensauce gegossen. Die Form kommt in den Ofen und wird langsam gebacken, bis das Gemüse ineinander zerfällt und die Sauce eindickt. Das Gericht wird auf eine Platte gestürzt und mit weißem Reis serviert. Es ähnelt äußerlich griechischer Moussaka, schmeckt aber völlig anders: säuerlich, intensiv gewürzt und reich an vielschichtigen Aromen kurdischer Bergwürzung, mit Kardamom, Ingwer, Zimt und dem unverwechselbaren säuerlichen Grundton von Tamarinde und Granatapfel.


Zwei Wikipedia-Seiten, zwei Geschichten

Der Wikipedia-Artikel zur kurdischen Küche nennt Tepsî als Grundnahrungsmittel: „Tepsî ist ein Gericht aus Auberginen, grüner Paprika, Zucchini und Kartoffeln in einer leicht scharfen Tomatensauce.“ Der separate Wikipedia-Artikel zum Gericht selbst, Tepsi Baytinijan, sagt: „Herkunftsort: Irak. Geschaffen von: Irakern. Zugehörige Küche: irakische Küche.“ Kurdische Ursprünge werden nicht erwähnt. Dasselbe Gericht existiert, von derselben Enzyklopädie beschrieben, in zwei widersprüchlichen Einträgen.

Tatsächlich teilen kurdische und irakisch-arabische Gemeinschaften Tepsî. Beide kochen und lieben es. Die kurdische Variante trägt jedoch eine besondere Gewürzsignatur mit Tamarinde, Granatapfel, Kardamom und Ingwer, die die breitere kurdische Vorliebe für säuerliche, wärmende Aromen widerspiegelt. Wenn jede englischsprachige Rezeptseite das Gericht unter „irakischer Küche“ einordnet, ohne die kurdische Variante anzuerkennen, wird sein gemeinsamer Charakter auf ein einziges nationales Etikett reduziert. Die kurdische Küche verschwindet aus der Darstellung.


Häufige Fragen

Was ist Tepsî?

Ein kurdischer geschichteter Gemüseauflauf aus Auberginen, Paprika, Zucchini, Kartoffeln und Fleischbällchen in gewürzter Tomatensauce, gebacken und mit Reis serviert. Die kurdische Variante zeichnet sich durch Tamarinde, Granatapfelmelasse und wärmende Gewürze aus.


Ist Tepsî kurdisch oder irakisch?

Beides. Es ist ein gemeinsames Gericht, das in ganz Kurdistan und im Irak gegessen wird. Die kurdische Variante besitzt ein eigenes Gewürzprofil. Internationale Lebensmittelmedien schreiben es ausschließlich der irakischen Küche zu und löschen damit den kurdischen Beitrag aus.


Fazit

Tepsî existiert in zwei Küchen, aber nur einer internationalen Darstellung. Kurdische Familien bereiten es mit Tamarinde und Granatapfel zu, irakisch-arabische Familien auf ihre Weise. Beide Varianten sind wirklich, beide köstlich, und beide verdienen Anerkennung. Keine Anerkennung verdient hingegen ein Wikipedia-Eintrag, der zu einem Gericht „Geschaffen von: Irakern“ sagt, während dieselbe Enzyklopädie es zwei Klicks entfernt als kurdisches Grundnahrungsmittel aufführt. Tepsî ist kurdisch. Tepsî ist irakisch. Es kann beides sein. Das Problem entsteht, wenn es nur eines sein darf.


Quellen und weiterführende Literatur

Wikipedia — Kurdische Küche (führt Tepsî als Grundnahrungsmittel auf)

Wikipedia — Tepsi Baytinijan („Herkunftsort: Irak“)

We3Three Blog — Kurdish Tepsi Recipe (2015)

Kitchen Frau — Tepsi Baytinijan (2022)