Einleitung
Die Ereignisse in Rojava, Westkurdistan, sind Folgen zahlreicher anderer Konflikte im Nahen Osten.
In diesem Beitrag teile ich meine Analyse und meine Sicht auf die Lage. Dabei gehe ich sowohl auf die bisherigen Ereignisse als auch auf mögliche weitere Entwicklungen ein.
Dabei sollte man bedenken, dass hinter Ereignissen, an denen die USA und Israel beteiligt sind, häufig eine wesentlich größere Verschwörung steht, die das Geschehen im Hintergrund beeinflusst.
Was geschieht derzeit?
Anfang Januar 2026 eskalierten die Spannungen zwischen der syrischen Übergangsregierung unter Präsident Ahmed al-Scharaa, der Baschar al-Assad Ende 2024 gestürzt hatte, und den kurdisch geführten Demokratischen Kräften Syriens (SDF) zu einem offenen Konflikt. Regierungstruppen begannen am 13. Januar eine Offensive und eroberten rasch wichtige Gebiete im Nordosten, darunter Städte in den Gouvernements Aleppo, Raqqa und Deir ez-Zor sowie große Öl- und Gasfelder und den Tabqa-Staudamm. Zehntausende Menschen wurden vertrieben, Dutzende kamen ums Leben.
Am 18. Januar wurde ein von den USA vermittelter Waffenstillstand bekannt gegeben. Die SDF erklärten sich bereit, ihre Mitglieder einzeln in die syrische Armee eingliedern zu lassen und zivile Einrichtungen, Grenzübergänge, Energieressourcen sowie Lager für IS-Gefangene an Damaskus zu übergeben. Damit endete faktisch eine mehr als ein Jahrzehnt währende kurdische Teilautonomie im Nordosten. Al-Scharaa sprach von einem „Sieg für alle Syrer“, während die SDF-Führung die Verteidigung ihrer Rechte betonte.
Mit Stand vom 19. Januar werfen sich beide Seiten Verstöße vor. Rund um IS-Gefängnisse in Raqqa und Hasaka werden Zusammenstöße gemeldet; einige Gefangene sollen entkommen sein, und kleinere Gefechte dauern an. Die USA setzen ihre Angriffe gegen den IS fort und mahnen zur Zurückhaltung. Zugleich bestehen weitere regionale Spannungen, unter anderem mit Israel um die Golanhöhen, sowie Unruhen zwischen Bevölkerungsgruppen. Die Lage bleibt im Fluss, während in Damaskus weiterverhandelt wird.
Warum geschieht das gerade jetzt?
Iran! Darin liegt die Antwort auf die Frage, warum dies gerade jetzt geschieht.
Diese sogenannte Offensive in Rojava geht auf eine Vereinbarung zwischen den USA, Israel und der Türkei zurück, die die Freilassung von etwa 10.000 IS-Gefangenen vorsieht. Der Plan besteht darin, diese Menschen für einen indirekt geführten Feldzug gegen Iran einzusetzen.
Das derzeitige Regime in Syrien ist keineswegs friedlich; seine Geschichte zeigt vielmehr das Gegenteil. Es steht mit sunnitischen extremistischen Gruppen in Verbindung und bildet damit eine strategische Kraft gegen die von Iran geführten schiitischen Milizen.
Man kann beobachten, wie die irakischen schiitischen Milizen, die von Anfang an von Iran finanziert wurden, mobilmachen und Kräfte entlang der Grenze zusammenziehen. Dieser Konflikt droht auf den schiitischen Staat Irak überzugreifen. Um Iran wirksam zu schwächen, müssen die USA zunächst dessen Verbündete untergraben. Diese Strategie wurde bereits in Palästina, im Libanon, im Jemen und in Syrien angewandt. Das nächste Ziel scheinen die schiitischen Milizen im Irak zu sein.
Leider behandeln Israel und die USA die Kurden häufig als Verhandlungsmasse, auf die sie immer wieder zurückgreifen. Sie haben die Kurden in Syrien als Verhandlungsmasse eingesetzt, um mithilfe der sunnitischen Miliz in Syrien die schiitische Miliz im Irak zu besiegen.
Was geschieht als Nächstes?
Die Zukunft bleibt ungewiss, denn wir haben keinen Einblick in die hinter den Kulissen ausgehandelten Vereinbarungen. Bislang sieht die Lage für die kurdische Region Syriens düster aus. Wir können nur hoffen, dass sie nicht in einen vollständigen Verrat mündet, auch wenn die bisherigen Anzeichen besorgniserregend sind.
