Zunächst Statthalter unter seinem Vater, regierte er 1218–1227 selbstständig. Jerusalems Mauern, Familienkonflikte und arabisch-persische Gelehrsamkeit verbinden sich in seiner Biografie.

Vom Statthalter zum Herrscher
Al-Muazzam war al-Adils Sohn und Saladins Neffe. Tomar nennt alternativ 1180 oder 1182 als Geburtsjahr in Kairo. Ab 1198 Statthalter in Damaskus, blieb er dem Vater untergeordnet. Nach dessen Tod 1218 übte er eigene Macht in Damaskus, Südsyrien und Palästina aus; seine Brüder al-Kamil und al-Ashraf beherrschten andere Gebiete. [1]
Jerusalems Mauern
Während des Fünften Kreuzzugs ließ er 1219 Jerusalems Mauern abtragen. Eine eroberte Festungsstadt sollte kein weiterer Kreuzfahrerstützpunkt werden. [1] Weksler-Bdolahs veröffentlichte Grabungszusammenfassung zum Ẓahal-Platz beschreibt Felsgraben und Vormauer, deren Aufgabe sie mit der Zerstörung im frühen 13. Jahrhundert verbindet. [2] Das belegt die wechselnde Nutzung der Befestigung. Es beweist weder die Rettung der Stadt durch den Abbruch noch Opferzahlen oder sämtliche Erfahrungen der Einwohner.
Auch Gegenstand von Verhandlungen
Abu-Munshar behandelt Angebote, während des Fünften Kreuzzugs Jerusalem und andere Orte gegen den Abzug aus Ägypten zu tauschen; Karak und Shawbak blieben ausgenommen. Die erfolglosen Gespräche unterscheiden sich vom Vertrag von Jaffa 1229. [3] Kampf, Abbruch und Verhandlung gehörten zur Politik. Seine Deutung des späteren Vertrags als Schutz Jerusalems ist eine historische Position, kein Beweis für den Nutzen jeder früheren Entscheidung oder allgemeine Einigkeit.
Konflikte der Brüder
Kaya ordnet das Bündnis mit Dschalal al-Din Chwarazmschah 1225 dem Kampf gegen al-Kamil und al-Ashraf zu. Er beschreibt auch al-Ashrafs erzwungenen Aufenthalt in Damaskus 1226–1227. [4] Der Fünfte Kreuzzug war 1221 beendet. Das Bündnis war Teil eines späteren dynastischen Konflikts, kein bloß unverwirklichter Plan für eine gemeinsame Kreuzfahrerabwehr. Interessen und Partner wechselten.
Studium und Förderung
Tomar nennt al-Hasiri als Lehrer hanafitischen Rechts und Abu al-Yumn al-Kindi für Grammatik und Literatur. Al-Muazzam verfasste eine Verteidigung Abu Hanifas gegen Material in al-Khatib al-Baghdadis Geschichtswerk. [1] Hirschler verbindet die Förderung mit dem kurdisch-persischen Hintergrund der Elite: Er unterstützte arabische Übersetzungen des Schahname und einer Kurzfassung von Imad al-Din al-Isfahanis Seldschukengeschichte. [5] Förderung bedeutet keine persönliche Übersetzung.
Spuren im Bibliothekskatalog
Hirschler argumentiert, al-Ashraf habe ältere königliche Bücherbestände, besonders al-Muazzams, übernommen. Werke über diesen, ihm zugeschriebene Gedichte, Widmungen und hanafitische Rechtsbücher stützen diese Rekonstruktion. [5] Ein Katalog zeigt Interessen und Förderung, aber nicht alles, was der Herrscher las. Al-Ashrafs spätere Bibliotheksgründungen werden dadurch auch nicht zu Gründungen seines Vorgängers.
Tod vor dem Vertrag
Al-Muazzam starb im November 1227 in Damaskus. Sein Sohn al-Nasir Dawud folgte; Salamah nennt 1227–1229 und danach al-Ashraf. [6] Al-Kamils Vertrag mit Friedrich II. folgte 1229 nach al-Muazzams Tod. [3] Dessen Diplomatie gehört zur Vorgeschichte; unterschrieben oder umgesetzt hat er diesen Vertrag nicht.
Quellen und weiterführende Literatur
- Cengiz Tomar, el-Melikü’l-Muazzam, TDV İslâm Ansiklopedisi 29 (2004), pp. 71–73; life, government and scholarship.
- Shlomit Weksler-Bdolah, Remains … in Ẓahal Square Tunnel, Jerusalem, Atiqot 104, pp. 193–210; public abstract only. DOI: 10.70967/2948-040X.1926.
- Maher Y. Abu-Munshar, Sultan al-Kamil, Emperor Frederick II and the Submission of Jerusalem, IJSSH 3.5 (2013), pp. 443–447.
- Önder Kaya, el-Melikü’l-Eşref, Mûsâ, TDV İslâm Ansiklopedisi 29 (2004), pp. 64–66; family alliances and Damascus.
- Konrad Hirschler, Medieval Damascus: Plurality and Diversity in an Arabic Library—The Ashrafiya Library Catalogue (2016), pp. 31–32, 114.
- Salah Adalaziz Salamah, Medina in the Ayyubid Period and the Shia Influence upon It, Leeds PhD (2008), appendix 4, p. 306.
- Benjamín Núñez González, Cistern of al-Malik al-Muazzam Isa, 23 August 2017; crop by Menchi (2022), CC BY-SA 4.0.