Kangavars Plattform in der Provinz Kermanschah ist als Anahita-Tempel bekannt. Säulen und Treppen sind erhalten, doch die Forschung hinterfragt sowohl die Tempeldeutung als auch frühe Datierungen.

Kurze Steinsäulen über einer Mauer aus großen Quadern in Kangavar unter blauem Himmel
Kangavar, Peymanpakzad, 14. August 2015. Das Bild zeigt erhaltene und konservierte Bauteile, keinen Beweis der ursprünglichen Funktion. CC BY-SA 4.0. © Peymanpakzad · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons.

Der sichtbare Bau

Die Terrasse umschließt einen natürlichen Hügel auf der Route zwischen Kermanschah und Hamadan. Die UNESCO-Vorlage nennt etwa 220 × 212 Meter; Kleiss verzeichnet Seiten von 224 und 209 Metern. Es sind Maße eines großen, unvollständig erhaltenen Komplexes. Verkleidungssteine, Stützmauern und Treppen belegen den Aufwand; die Gebäude auf der Plattform sind weniger sicher rekonstruierbar. [1] [2]

Text und moderner Name

Isidor von Charax nennt in Abschnitt 6 der Parthischen Stationen einen Artemis-Tempel in Concobar und später einen Anaitis-Tempel in Ekbatana. Diese Orte sind auseinanderzuhalten. Die Gleichsetzung Concobars mit Kangavar und griechische Deutungen iranischer Gottheiten begründeten den geläufigen Namen. Der kurze Text beschreibt aber nicht den erhaltenen Grundriss. Flandins und Costes Zeichnungen sowie klassisch wirkende Bauteile prägten die spätere Tempelrekonstruktion. [3] [4]

Grabungen und Datierung

Iranische Ausgrabungen begannen 1968 unter Kambakhsh Fard; Azarnoush arbeitete 1977–1978, weitere Kampagnen folgten. Architektur, Zeichen auf Steinblöcken und eine untersuchte Ziegelprobe sprechen nach dem Forschungskatalog für sasanidische Entstehung. Parthische Keramik und ein Gräberfeld am Osthang können älter als die Terrasse sein. Kleiss bevorzugt eine spätsasanidische Datierung, möglicherweise unter Chosrau II. Eine benennende Gründungsinschrift liegt dafür nicht vor. [2] [4] [5]

Funktion, spätere Nutzung und UNESCO

Ein Palast, ein Tempel oder ein offenes Heiligtum bleiben Deutungen. Kleiss betont fehlende eindeutige Grundrisse; Ähnlichkeit mit Persepolis beweist kein achämenidisches Baualter. Islamische Häuser, Brennöfen und Steinraub veränderten das Areal. Iran meldete das Historische Monument von Kangavar am 9. August 2007 für die UNESCO-Tentativliste an. Das ist keine Eintragung als Welterbe. Die erhaltenen Befunde verdienen jeweils eine eigene Datierung und Erklärung. [1] [2] [4]

Quellen und weiterführende Literatur

  1. UNESCO World Heritage Centre, “Historic Monument of Kangavar”, Tentative List reference 5189, submitted by Iran on 9 August 2007; state submission, dimensions and proposed criteria.
  2. Wolfram Kleiss, “Kangavar”, Encyclopaedia Iranica XV/5 (2010), pp. 496–497, updated 2012; architecture, excavation, dating arguments and unresolved function.
  3. Isidore of Charax, Parthian Stations, section 6, translated by Wilfred H. Schoff (1914), reproduced at Parthia.com; ancient itinerary, distinguished here from the translator’s later commentary.
  4. Irano-Hellenica, “Kangāvar: The so-called Temple of Artemis-Anāhitā”, Mapping Ancient Cultural Encounters: Greeks in Iran ca. 550 BC–ca. AD 650; research catalogue marked as preliminary draft, with excavation history and references through 2015.
  5. Irano-Hellenica, “Kangāvar: Archaeological Reports”; bibliographical guide to fieldwork, including Massoud Azarnoush, “Excavations at Kangavar”, AMI 14 (1981), pp. 69–94, and later dating studies.
  6. Peymanpakzad, Kangavar monument, 14 August 2015, Wikimedia Commons; CC BY-SA 4.0.