Xenophon schildert sieben schwere Tage unter den Karduchen mit Kämpfen, beschlagnahmtem Proviant und Waffenruhen. Geografie und kurdische Abstammung verlangen eine sorgfältige Einordnung.

Karte des neunzehnten Jahrhunderts mit dem Weg der Zehntausend durch Anatolien und Mesopotamien nach Armenien und zum Schwarzen Meer
Karte aus Alexander Grants Xenophon (1871), unbekannter Zeichner, gemeinfrei. Eine Rekonstruktion des neunzehnten Jahrhunderts, keine zeitgenössische Karte. [4] Map: unknown cartographer, Alexander Grant, Xenophon (1871) · Public domain.

Rückzug und Führung

Nach dem Scheitern Kyros’ des Jüngeren bei Kunaxa 401 v. Chr. suchte das griechische Heer der Zehntausend den Heimweg. Anabasis IV beschreibt den Durchzug durchs Land der Karduchen. Cheirisophos führte die Spitze, Xenophon die Nachhut; er war nicht alleiniger Befehlshaber. Dörfer, Häuser und Vorräte prägten die bewohnte Landschaft. [1]

Dorfbewohner und Vorräte

Xenophon berichtet, Bewohner seien mit Frauen und Kindern ins Gebirge geflohen. Die Griechen fanden Lebensmittel und Bronzegefäße; sie hätten die Gefäße geschont, Nahrung jedoch aus Not genommen. Das ist die Rechtfertigung des einrückenden Heeres. Signalfeuer auf Höhen, gefüllte Häuser und Wein in verputzten Behältern zeigen auch sesshaftes Leben. [1]

Pässe und Gefangene

Ein Gefangener wurde getötet, nachdem er einen anderen Weg nicht verraten hatte; der zweite wies ihn und blieb gefesselt. Rund zweitausend Freiwillige rückten unter Offizieren aus, während Xenophon bei der Nachhut ein Ablenkungsmanöver ausführte. Lange Pfeile wurden von Griechen als Wurfspeere wiederverwendet, nicht die Bögen. [1]

Sieben Tage und der Fluss

Xenophons Vergleich größerer Leiden ist keine überprüfte Verluststatistik. Auch die Geschichte eines verschwundenen persischen Heeres wird einem Gefangenen zugeschrieben. Eine Waffenruhe erlaubte die Bergung griechischer Toter gegen den Verzicht auf Häuserbrände. Am Kentrites fanden Kundschafter eine Furt; das Heer koordinierte Übergang und Nachhut und gelangte nach Armenien. Das Schwarze Meer lag noch voraus. [1]

Geografie und Gordyene

Marciak verortet das Land am ehesten nördlich des heutigen Cizre und südlich des Botan, der häufig mit dem Kentrites gleichgesetzt wird. Das sind geografische Rekonstruktionen. Strabon und Plinius verbinden die Karduchen mit späteren Gordyaeern. [2]

Die Abstammungsfrage

Marciak untersucht die Tradition kurdischer Abstammung von den Karduchen und sprachliche wie historische Einwände. Ihre Sprache ist nicht sicher belegt. Dandamayev bleibt ebenfalls vorsichtig und behandelt die vorgeschlagene Verbindung zu den Kyrtiern. [2] [3] Der moderne Kurdenname in Dakyns’ Übersetzung ist eine Deutung des Übersetzers, nicht das antike griechische Ethnonym selbst. [1] Namensähnlichkeit allein beweist keine direkte Abstammung.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Xenophon, Anabasis, translated by H. G. Dakyns, Book III.5 and IV.1–3; participant narrative, public-domain translation, Project Gutenberg.
  2. Michał Marciak, The Historical Geography of Gordyene. Part 1: Classical Sources, Anabasis 3 (2012), pp.173–214, especially 175–179 and 187–190.
  3. Muhammad A. Dandamayev, Carduchi, Encyclopaedia Iranica IV/7 (1990), p.806: ancient community and identification question.
  4. Unknown cartographer, route map in Alexander Grant, Xenophon (1871); Wikimedia Commons, public domain.