Bahdinan war ein kurdisches Emirat mit Zentrum Amêdî. Seine Geschichte verbindet erbliche Herrschaft, Religionsgemeinschaften, Handschriftenkultur und osmanische Zentralisierung.

Eine Hauptstadt über dem Tal
Bahdinan, auch Badinan oder Behdinan, war ein kurdisches Fürstentum mit Zentrum Amêdî beziehungsweise Amadiya. Der Ort liegt auf einem Felsplateau über dem Subnatal. Muslimische Kurden, Juden und Christen verschiedener Konfessionen lebten hier und im Umland. Das Zusammenleben beruhte auf örtlichen Vereinbarungen, mit ungleichen Rechten und zeitweiligen Konflikten. [1]
Anfänge und Dynastie
Die frühe Chronologie ist unsicher. Birgit Ammann findet im Sharafnama ab dem frühen fünfzehnten Jahrhundert festere Belege. Die behauptete Abstammung von den Abbasiden gehört zur genealogischen Überlieferung der Familie; die Untersuchung weist sie nicht als gesicherte Tatsache nach. [1]
Wie Herrschaft funktionierte
Ammanns Auswertung von Evliya Çelebis Bericht des siebzehnten Jahrhunderts beschreibt vom Emir anerkannte Bezirksherrscher, örtliche Ernennungen und eine ständige Truppe neben den Stammesaufgeboten im Krieg. Das zeigt weitreichende Autonomie in einer bestimmten osmanischen Konstellation. Verwandte und Stammeskoalitionen konnten um die Nachfolge konkurrieren; sie ging nicht automatisch an den ältesten Sohn. [1]
Qubahan, Bücher und Stiftungen
Hersh Kemal Rekanî und Farhad Mohemmed Ahmad untersuchen Handschriften und Dokumente aus Sultan Hussein Walis Herrschaft im sechzehnten Jahrhundert. Sie behandeln gestiftete Bücher, Herrschersiegel und die Namen al-Sultaniyya und al-Husayniyya. Eine 1542 abgeschlossene Handschrift nennt die Sultaniyya-Schule in Qubhan. [3] Eine Gründung 1334 bezweifeln die Autoren mangels eindeutiger Belege. Ältere Handschriften aus dem nahen Rubari unterscheiden sie von Zeugnissen, die die Schule nennen. Beispiele verfolgen Lehrende, Lernende, Abschriften und Übersetzungen, darunter einen astronomischen Text des achtzehnten Jahrhunderts und mehrsprachigen Wortschatz. Arabisch, Persisch, Türkisch und Kurdisch gehörten zur Handschriftenkultur. [3]
Soran und osmanische Zentralisierung
Sorans Muhammad Pascha expandierte Anfang der 1830er nach Bahdinan. Amir Hassanpour datiert die Einnahme Aqras und Amadiyas sowie die Verdrängung Ismail Paschas und Muhammad Said Paschas auf 1832. Nach osmanischem Eingreifen gegen Soran kehrte Ismail zurück. Mit der Ausweitung direkter Verwaltung wurde Bahdinan 1842 beseitigt: ein Prozess aus Eroberung, Rückkehr und erneuter Intervention. [2]
Name und Sprache
Haig und Öpengin beschreiben Badini beziehungsweise Behdini als südöstliches Kurmanji mit Varietäten in Duhok, Hakkari, Südvan und Teilen Urmiyas. Sie betonen innere Vielfalt und untersuchen Şemzînan exemplarisch. Diese Sprachgeografie reicht über Hauptstadt oder feste Grenzen des ehemaligen Emirats hinaus. [4]
Quellen und weiterführende Literatur
- Birgit Ammann, “The town of Amadiya in the light of European Sources,” Erbil conference paper, 2006.
- Amir Hassanpour, “Bahdīnān,” Encyclopaedia Iranica; concluding section, PDF p. 2, on Soran’s conquest and Ottoman centralisation.
- Hersh Kemal Rekanî and Farhad Mohemmed Ahmad, Qubahan under Sultan Hussein Wali, Journal of Mesopotamian Studies 7/2 (2022), pp. 284–313, especially 289–292; DOI 10.35859/jms.2022.1148853.
- Geoffrey Haig and Ergin Öpengin, “Kurmanji Kurdish in Turkey: Structure, varieties and status” (2018), pp. 192–193, sections 4 and 4.1.