Wer ist Selahattin Demirtaş?
Selahattin Demirtaş ist ein kurdisch-zazaischer Politiker, Jurist und Schriftsteller, geboren am 10. April 1973 in Palu, Elazığ, Türkei. Von 2014 bis 2018 war er Co-Vorsitzender der Demokratischen Partei der Völker (HDP), der wichtigsten prokurdischen Partei der Türkei. Seit dem 4. November 2016 ist er wegen politisch umstrittener Vorwürfe inhaftiert. Trotz seiner Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis kandidierte er 2018 für das Präsidentenamt und schreibt und veröffentlicht weiterhin Bücher aus seiner Zelle. Er gilt weithin als eine der bedeutendsten kurdischen politischen Persönlichkeiten des 21. Jahrhunderts und als Symbol des Widerstands gegen die Unterdrückung kurdischer politischer Rechte in der Türkei.
Das Wichtigste
Selahattin Demirtaş wurde am 10. April 1973 in Palu, Elazığ, in eine zazaisch-kurdische Familie geboren.
Er ist ausgebildeter Jurist und arbeitete vor seinem Eintritt in die Politik als Menschenrechtsanwalt in Diyarbakır.
Er leitete die HDP mit und entwickelte sie zu einer breiten linken Partei, die sich für kurdische Rechte, Feminismus, LGBTQ+-Rechte und Minderheitenschutz einsetzt.
Er ist seit November 2016 wegen terrorbezogener Vorwürfe inhaftiert, die von Menschenrechtsorganisationen und dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte weithin kritisiert wurden.
Er kandidierte 2018 aus dem Gefängnis als Präsidentschaftskandidat der HDP und erhielt 8,4 % der Stimmen.
In Haft schrieb er sechs Bücher und wurde zu einer der prominentesten Stimmen der oppositionellen Literatur der Türkei.
Kurzprofil
Vollständiger Name: Selahattin Demirtaş Auch bekannt als: Selahedîn Demirtaş (kurdische Schreibweise); in der Familie „Eser“ genannt Geboren: 10. April 1973 Geburtsort: Palu, Elazığ, Türkei Herkunft: Zazaisch-kurdisch Beruf: Politiker, Jurist, Schriftsteller Epoche: 2000er-Jahre bis Gegenwart Bekannt für: HDP-Co-Vorsitz; Präsidentschaftskandidatur aus dem Gefängnis; Menschenrechtsanwalt; Autor von sechs Romanen Wichtige Werke: Seher / Dawn (2017), Devran (2019), Leylan (2020), Efsun (2021), DAD (2023), Jamal (2025) Verbunden mit: HDP, BDP, DTP; kurdische politische Bewegung in der Türkei Historische Bedeutung: International bekannteste kurdische politische Persönlichkeit in der Türkei; Symbol demokratischen Widerstands und kurdischer Rechte
Inhaltsverzeichnis
Wichtige Leistungen, Ideen und Beiträge
Zeittafel und wichtige Ereignisse
Debatten, Kontroversen und Missverständnisse
Vermächtnis und kulturelle Wirkung
Verwandte Personen, Orte und Themen
Quellen und weiterführende Literatur
Frühes Leben und Herkunft
Selahattin Demirtaş wurde am 10. April 1973 in Palu in der Provinz Elazığ im kurdischen Kernland des Südostens der Türkei geboren. Seine Familie ist zazaischer Herkunft. Die Zaza sind innerhalb der weiter gefassten kurdischen Identität eine eigene ethnische und sprachliche Gruppe, die Zazaki spricht. Demirtaş bezeichnet sich als „kurdischer Zaza“ und bekennt sich zu beiden Identitäten.
Er absolvierte die Grund- und weiterführende Schule in Palu und begann 1991 an der Dokuz-Eylül-Universität ein Studium des Seehandels und der Betriebsführung. Politische Schwierigkeiten an der Universität führten dazu, dass er sein Studium ohne Abschluss abbrach. Er kehrte nach Diyarbakır zurück und legte 1993 erneut die Hochschulaufnahmeprüfung ab. Daraufhin schrieb er sich an der juristischen Fakultät der Universität Ankara ein. Nach dem Abschluss arbeitete er zunächst als freiberuflicher Anwalt.
2000 trat Demirtaş dem Vorstand der Zweigstelle Diyarbakır des Menschenrechtsvereins (IHD) bei. Als dessen Vorsitzender Osman Baydemir Bürgermeister von Diyarbakır wurde, folgte Demirtaş ihm 2004 im Vorsitz. Er konzentrierte sich auf die Untersuchung ungeklärter politischer Morde im Südosten der Türkei, einen der gefährlichsten Bereiche der Menschenrechtsarbeit in der Region. Er gründete auch die Zweigstelle von Amnesty International in Diyarbakır mit und beteiligte sich am Aufbau der Menschenrechtsstiftung der Türkei.
Er ist mit Başak Demirtaş verheiratet; sie haben zwei Töchter, Delal (geboren 2004) und Dılda (geboren 2007). Sein familiärer Spitzname ist „Eser“. Sein Vater Tahir Demirtaş starb am 31. Dezember 2023 mit 78 Jahren. Demirtaş durfte ihn im November 2022 unter Bewachung nur kurz im Krankenhaus besuchen und wurde anschließend ins Gefängnis Edirne zurückgebracht.
Historischer Kontext
Demirtaş wurde während einer der unruhigsten Phasen moderner kurdischer Geschichte erwachsen. In den 1980er- und 1990er-Jahren führten PKK und türkischer Staat einen brutalen bewaffneten Konflikt, der Zehntausende tötete und Millionen Kurden im Südosten der Türkei vertrieb. Dörfer wurden niedergebrannt, gewaltsames Verschwindenlassen war verbreitet und politische Aktivisten waren großen Gefahren ausgesetzt. In diesem Umfeld wurde Demirtaş Menschenrechtsanwalt.
In den 2000er-Jahren hatte der Konflikt teilweise nachgelassen, und kurdische Parteien begannen innerhalb der formalen demokratischen Strukturen der Türkei zu arbeiten. Eine Folge prokurdischer Parteien – HADEP, DEHAP, DTP, BDP – wurde per Gerichtsbeschluss geschlossen und unter neuen Namen neu gegründet. Dieser Kreislauf aus Unterdrückung und Erneuerung prägte das gesamte Umfeld von Demirtaş’ Laufbahn.
Die 2012 gegründete HDP wollte diesen Kreislauf bewusst durchbrechen. Sie positionierte sich als breite linke Koalition, die neben Kurden auch Türken, Armenier, Aleviten, Frauen, LGBTQ+-Wähler und säkular orientierte Menschen ansprach. Unter Demirtaş’ Führung übersprang die HDP die entscheidende 10-%-Wahlhürde der Türkei im Juni 2015 mit 13,1 % der Stimmen. Dieses historische Ergebnis nahm Präsident Erdoğans AKP die parlamentarische Mehrheit.
Dem Putschversuch von 2016 gegen Erdoğan folgte eine umfassende Repression gegen die politische Opposition. Parlamentarische Immunitätsrechte wurden aufgehoben. Am 4. November 2016 wurden Demirtaş und neun weitere HDP-Abgeordnete verhaftet. Das politische Umfeld veränderte sich dramatisch: Aus einem landesweit diskutierten Oppositionsführer wurde ein Gefangener, dessen Fall internationale Bedeutung gewann.
Wichtige Leistungen, Ideen und Beiträge
Politische Führung und Wirkung bei Wahlen
Demirtaş zog 2007 als Mitglied der Partei der Demokratischen Gesellschaft (DTP) ins Parlament ein. Nach deren Schließung 2009 wechselte er zur Partei des Friedens und der Demokratie (BDP) und wurde 2010 Co-Vorsitzender. Sein wichtigster Beitrag war die Entwicklung der HDP zwischen 2014 und 2018 zu einer tatsächlich landesweiten Oppositionspartei. Er setzte sich für Frauen in Führungspositionen, LGBTQ+-Rechte und die Repräsentation ethnischer und religiöser Minderheiten der Türkei ein. Das Modell der Doppelspitze, das einen männlichen und einen weiblichen Co-Vorsitzenden verlangt, brach bereits selbst mit türkischen politischen Normen.
Bei der Präsidentschaftswahl 2014 erhielt er 9,77 % der Stimmen und zeigte, dass ein kurdischer Kandidat weit über die kurdische Wählerschaft hinaus Unterstützung gewinnen konnte. Sein Wahlergebnis 2015, das die parlamentarische Mehrheit der AKP verhinderte, war der Höhepunkt demokratischer Ambitionen der HDP unter seiner Führung. Selbst aus der Haft erhielt er 2018 beim Rennen um die Präsidentschaft 8,4 % – ein bemerkenswertes Ergebnis für jemanden, der im üblichen Sinne keinen Wahlkampf führen konnte.
Literarische Werke und Schreiben im Gefängnis
Zu den unerwartetsten Seiten von Demirtaş’ öffentlichem Leben gehört sein Aufstieg zum ernsthaften Autor aus dem Gefängnis heraus. Sein Debüt Seher, 2017 in der Türkei und 2018 auf Englisch als Dawn veröffentlicht, ist eine Sammlung von Erzählungen über gewöhnliche türkische und kurdische Menschen in außergewöhnlichen Umständen: Fabrikarbeiter, Reinigungskräfte, syrische Flüchtlinge und Opfer von Bombenanschlägen. Allein in der Türkei verkaufte sich das Buch über 200.000 Mal und erhielt international Lob.
Seine späteren Werke Devran (2019), Leylan (2020), Efsun (2021), DAD (2023) und Jamal (2025) behandeln weiterhin ausgegrenzte Stimmen und Fragen der Gerechtigkeit. DAD bedeutet auf Kurdisch „Gerechtigkeit“. Als ein türkischer Fernsehsender einen Werbebeitrag zu DAD ausstrahlte, verhängte die Medienaufsicht eine Geldbuße mit der Begründung, er habe „einen Terroristen gelobt“. Die Entscheidung wurde später vor Gericht angefochten.
Menschenrechtsarbeit
Vor seinem Eintritt in die Politik arbeitete Demirtaş jahrelang als Menschenrechtsanwalt und dokumentierte außergerichtliche Tötungen, gewaltsames Verschwindenlassen und politische Gewalt im Südosten der Türkei. Seine Arbeit beim IHD Diyarbakır vermittelte ihm eine menschenrechtliche Grundlage, die sowohl seinen politischen Stil als auch sein internationales Profil prägte. Als Abgeordneter nutzte er konsequent rechtliche und institutionelle Wege, um staatliche Übergriffe anzufechten und für kurdische Sprachrechte im Bildungswesen sowie verfassungsrechtliche Gleichheit einzutreten.
Zeittafel und wichtige Ereignisse
1973 – Geburt am 10. April in Palu, Elazığ, Türkei. 1993 – Einschreibung an der juristischen Fakultät der Universität Ankara. 2000 – Eintritt in die Zweigstelle Diyarbakır des Menschenrechtsvereins (IHD). 2004 – Vorsitzender des IHD Diyarbakır. 2007 – Erste Wahl ins türkische Parlament als DTP-Mitglied. 2009 – Gerichtliche Schließung der DTP; Wechsel zur BDP. 2010 – Wahl zum BDP-Co-Vorsitzenden neben Gültan Kışanak. 2012 – Gründung der HDP; Demirtaş wird Co-Vorsitzender. 2014 – Präsidentschaftskandidatur; 9,77 % der Stimmen. Juni 2015 – Die HDP erhält 13,1 % bei der Parlamentswahl; die AKP verliert ihre Mehrheit. November 2015 – Vorgezogene Neuwahl; die HDP erhält 10,7 %. 4. November 2016 – Verhaftung mit neun weiteren HDP-Abgeordneten; Haft im F-Typ-Gefängnis Edirne. 2017 – Veröffentlichung des ersten Buches Seher (Dawn) aus dem Gefängnis. 2018 – Präsidentschaftskandidatur aus der Haft; 8,4 %. Der EGMR ordnet seine Freilassung an; die Türkei verweigert sie. 2019 – Auszeichnung mit dem Progressive Alliance Award (Mutpreis) in Schweden. 2020 – Die Große Kammer des EGMR verurteilt die Türkei erneut und fordert seine Freilassung. 2021 – Verurteilung zu 3,5 Jahren wegen Präsidentenbeleidigung. Verleihung des Weimarer Menschenrechtspreises in Deutschland. 2023 – Die Gesamtstrafe erreicht 42 Jahre. Ankündigung des Rückzugs aus der aktiven Politik. 31. Dezember 2023 – Sein Vater Tahir Demirtaş stirbt mit 78 Jahren. 2025 – Berichte über Gespräche in der Türkei zu seiner möglichen Freilassung. Ankündigung des sechsten Buches Jamal.
Debatten, Kontroversen und Missverständnisse
Die Terrorvorwürfe
Die türkische Regierung klagte Demirtaş wegen terrorbezogener Straftaten an. Konkret lautete der Vorwurf, er habe durch die Unterstützung von Protesten im Zusammenhang mit dem Konflikt der PKK gegen den IS in Kobane und durch Reden zugunsten von Friedensverhandlungen Propaganda für eine Terrororganisation betrieben. Die Vorwürfe umfassen mehr als 100 getrennte Ermittlungen und führten zu einer Gesamtstrafe von 42 Jahren.
Die internationale juristische Bewertung fällt deutlich anders aus. Der EGMR entschied 2018 und erneut 2020, seine fortgesetzte Haft sei politisch motiviert und gezielt darauf abgestimmt gewesen, ihn während eines Verfassungsreferendums und einer Präsidentschaftswahl aus der Politik zu entfernen. Die Türkei weigerte sich, beide Urteile umzusetzen. Die meisten westlichen Regierungen und großen Menschenrechtsorganisationen betrachten ihn als politischen Gefangenen.
Das Verhältnis zwischen HDP und PKK
Die türkische Regierung stellte die HDP konsequent als zivile Frontorganisation der PKK dar. Demirtaş und HDP-Anhänger vertraten die Gegenposition: Die Partei sei eine unabhängige demokratische Institution, die die politische Realität der PKK anerkenne, aber einen eigenen parlamentarischen Weg verfolge. Demirtaş bestritt stets eine direkte PKK-Mitgliedschaft und beteiligte sich ausdrücklich an den von der AKP eingeleiteten Friedensgesprächen 2013. Unabhängige Beobachter sehen die terroristische Einordnung gewöhnlich als Übertreibung zur Rechtfertigung politischer Repression, wobei die genaue Beziehung zwischen HDP und PKK weiterhin umstritten ist.
Zazaische und kurdische Identität
Demirtaş ist zazaisch-kurdischer Herkunft und unterscheidet sich damit von kurdischen Gruppen, die Kurmandschi oder Sorani sprechen. Ob Zaza eine Untergruppe des kurdischen Volkes oder eine eigenständige Ethnie bilden, bleibt Gegenstand einer Debatte. Demirtaş bezeichnet sich als „kurdischer Zaza“, und seine politische Identität stand stets innerhalb der kurdischen politischen Bewegung. Seine Herkunft spiegelt die Vielfalt kurdischer Identität in der Türkei wider, wo mehrere Sprachgemeinschaften politische Solidarität teilen, ohne ethnisch identisch zu sein.
Vermächtnis und kulturelle Wirkung
Selahattin Demirtaş nimmt in der kurdischen politischen Geschichte eine besondere Stellung ein. Er ist weder Militärkommandeur noch traditionelle revolutionäre Persönlichkeit. Seine Bedeutung liegt im Versuch, kurdische politische Forderungen in den demokratischen Mainstream der Türkei einzubringen und kurdische Rechte durch Parlament, Verfassungsrecht und Wahlbündnisse zu verfolgen, die weit über die kurdische Wählerschaft hinausreichen.
Seine Haft seit 2016 machte ihn zu einem internationalen Symbol. Er erhielt den Progressive Alliance Award in Schweden 2019 und den Weimarer Menschenrechtspreis in Deutschland 2021. Beide würdigten seine Verteidigung demokratischer Werte unter Verfolgung. Westliche Medien verglichen ihn mit Persönlichkeiten, die politische Bewegungen aus dem Gefängnis heraus weiterführten.
Sein literarisches Schaffen aus der Haft gibt ihm Einfluss über die Politik hinaus. In der Tradition von Autoren, die unter Haftbedingungen ernsthafte Literatur schufen, erreichen seine Bücher Menschen, die kurdische politische Nachrichten sonst nie verfolgen würden. Sie erweitern seine Präsenz auf kulturelle Räume, die seine politische Rolle allein nicht erschließen könnte.
Mit Stand 2025 dauern Gespräche über eine mögliche politische Einigung in der Türkei an, die seine Freilassung einschließen könnte. Ob er freikommt oder nicht, sein Fall hat die internationale Debatte über kurdische politische Rechte und demokratische Freiheiten in der Türkei dauerhaft geprägt.
Verwandte Personen, Orte und Themen
HDP (Demokratische Partei der Völker)
PKK (Arbeiterpartei Kurdistans)
Abdullah Öcalan
Figen Yüksekdağ – HDP-Co-Vorsitzende neben Demirtaş
Diyarbakır (Amed) – Kulturelle und politische Hauptstadt der türkischen Kurden
Kurdische Parteien in der Türkei: DTP, BDP, HDP, DEM-Partei
Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte – Verfahren Demirtaş gegen Türkei
Leyla Güven – Kurdische Politikerin und Hungerstreikende
Kurdische Rechte in der Türkei – Geschichte und politischer Kontext
Häufige Fragen
Wer ist Selahattin Demirtaş?
Selahattin Demirtaş ist ein kurdisch-zazaischer Politiker, Jurist und Schriftsteller aus der Türkei. Von 2014 bis 2018 war er Co-Vorsitzender der prokurdischen HDP, kandidierte zweimal für das Präsidentenamt und ist seit November 2016 wegen terrorbezogener Vorwürfe inhaftiert, die weithin als politisch motiviert gelten.
Wofür ist Selahattin Demirtaş besonders bekannt?
Besonders bekannt ist er dafür, die HDP 2015 zu historischem Wahlerfolg geführt, 2018 seinen Präsidentschaftswahlkampf aus einer Gefängniszelle geführt und in Haft sechs Romane geschrieben zu haben. Zudem entwickelte er die HDP zu einer multiethnischen fortschrittlichen Partei, die Frauenrechte, LGBTQ+-Rechte und Minderheitenschutz vertritt.
Warum sitzt Selahattin Demirtaş im Gefängnis?
Die türkische Regierung inhaftierte ihn wegen terrorbezogener Vorwürfe, darunter die Anschuldigung, seine Reden seien terroristische Propaganda gewesen. Er wurde insgesamt zu 42 Jahren verurteilt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschied zweimal, dass seine Haft politisch motiviert sei, und verlangte seine Freilassung. Die Türkei verweigerte beide Male die Umsetzung. Die meisten Menschenrechtsorganisationen betrachten ihn als politischen Gefangenen.
Ist Selahattin Demirtaş Kurde?
Ja. Er ist zazaisch-kurdischer Herkunft und bezeichnet sich als „kurdischer Zaza“. Die Zaza sind eine eigene sprachliche und ethnische Gruppe, die weithin als Teil des kurdischen Volkes betrachtet wird, obwohl die genaue Beziehung zwischen zazaischer und kurdischer Identität selbst umstritten ist. Seine gesamte politische Laufbahn gilt kurdischen politischen Rechten in der Türkei.
Welche Bücher hat Selahattin Demirtaş geschrieben?
Er schrieb in Haft sechs Werke: Seher / Dawn (2017), Devran (2019), Leylan (2020), Efsun (2021), DAD (2023) und Jamal (2025). Außerdem verfasste er gemeinsam mit Yiğit Bener Arafta Düet (Duett im Zwischenraum). Dawn wurde ins Englische übersetzt und international veröffentlicht.
Quellen und weiterführende Literatur
Wikipedia – Selahattin Demirtaş (Biografie mit Quellenangaben)
Tom Lantos Human Rights Commission — Defending Freedoms Project: Selahattin Demirtaş
Selahattin Demirtaş, Dawn (Seher), übersetzt von Amy Marie Spangler und Kate Ferguson. SJP for Hogarth, 2018.
Botan Times — Selahattin Demirtaş to Release New Novel Jamal (April 2025)