Shanidar in Irakisch-Kurdistan dokumentiert mit Skeletten, Sedimenten, Steinwerkzeugen und Speiseresten Neandertalerleben und spätere menschliche Nutzung.

Besucher unter Shanidars hohem dunklem Felsdach, mit großen Blöcken und archäologischen Schnitten im staubigen Boden
Inneres von Shanidar, 4. April 2014. Foto: Osama Shukir Muhammed Amin. Menschen und Felsen verdeutlichen die Größe. © Osama Shukir Muhammed Amin · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons.

Ausgrabung und Umwelt

In der etwa 740 Meter hoch gelegenen Höhle fand Solecki Neandertalerreste, jungpaläolithische Artefakte und einen späteren Friedhof. Die kurdische Regionalregierung sprach 2011 Graeme Barker wegen neuer Forschungen an. Arbeiten 2014 wurden durch die IS-Bedrohung unterbrochen; 2015 ging die Ausgrabung weiter. Wasser, Wind und Felssturz wurden zusammen mit menschlichen Spuren untersucht. [1]

Verletzung und Unterstützung

Zu Shanidar 1s Augenverletzung und Verlust von rechtem Unterarm und Hand kam 2017 die Deutung schwerer Hörminderung durch Knochenwucherungen in den Gehörgängen. Trinkaus und Villotte sahen sein Überleben als Argument für soziale Unterstützung. [2] Shanidar Zs 2020 beschriebener Oberkörper im anatomischen Verband, die linke Hand unter dem Kopf und umgebende Sedimente wurden als Hinweise auf absichtliche Bestattung interpretiert. [3]

Pollen und Pflanzenkost

Pollen bei Shanidar 4 führte zur Blumenbestattungshypothese. Hunt und Kollegen vermuteten 2023, dass zumindest ein Teil von nistenden Solitärbienen eingetragen wurde. Die Körperablage wird anhand weiterer Befunde untersucht. [4] Fünf jungpaläolithische Speisereste enthielten zerstoßene Hülsenfrüchte, teils wahrscheinliche Senf- oder Pistaziengewebe; ein mittelpaläolithisches Fragment enthielt Hülsenfrüchte und Gräser. Es sind verschiedene Schichten. [5]

Oktober 2026: Shanidar A

Die Verlagsdarstellung der neuen Studie verortet A unter Zs Rumpf. Ein etwa 15 Millimeter großes Loch im Schulterblatt wurde als Verletzung um den Todeszeitpunkt interpretiert, möglicherweise durch einen hölzernen Speer von vorn. Jagdunfall oder Gewalt bleiben ungeklärt. Ein zu Lebzeiten gespaltener, später abgenutzter Zahn deutet auf Überleben nach schwerem Mundtrauma und mögliche Pflege. [6]

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Tim Reynolds et al., New investigations at Shanidar Cave, Iraqi Kurdistan, Antiquity Project Gallery 89(348), 2015.
  2. Erik Trinkaus and Sébastien Villotte, External auditory exostoses and hearing loss in the Shanidar 1 Neandertal, PLOS ONE 12(10), 2017, e0186684.
  3. Emma Pomeroy et al., New Neanderthal remains associated with the flower burial at Shanidar Cave, Antiquity 94(373), 2020, pp. 11–26.
  4. Chris O. Hunt et al., Shanidar et ses fleurs? Reflections on the palynology of the Neanderthal Flower Burial hypothesis, Journal of Archaeological Science, 2023, doi:10.1016/j.jas.2023.105822; abstract and Cambridge repository record.
  5. Ceren Kabukcu et al., Cooking in caves: Palaeolithic carbonised plant food remains from Franchthi and Shanidar, online 23 November 2022; Antiquity 97(391), 2023, pp. 12–28.
  6. Nature Portfolio, Possible fatal spear wound in Shanidar Cave Neanderthal remains, 16 October 2026; publisher’s account of Pomeroy et al., Scientific Reports 16, 30042, doi:10.1038/s41598-026-69193-z.