Einleitung

Wenn eine Stimme die Kunst der kurdischen Dengbêj in die moderne Zeit trug, dann die Sakiros. Als Sakir Deniz im Hochland von Serhad geboren, wurde er zum gefeiertsten kurdischen Sänger und Erzähler des zwanzigsten Jahrhunderts. Sein Volk ehrte ihn als Sahe Dengbejan, als König der Dengbêj: mit jenem Titel, den einst der legendäre Evdale Zeynike selbst getragen hatte. Seine kraftvolle Stimme, mit der er Stunden und sogar Tage ohne Pause singen konnte, wurde für Millionen Kurden zum Klang ihrer Sprache und ihrer Erinnerung.

Sakiros Leben erstreckte sich über ein hartes, von Unruhen geprägtes Jahrhundert. Seine Familie kannte Vertreibung und Exil; er selbst wurde als junger Mann lange innerhalb des Landes verbannt. Seine Lieder sang er in einer Zeit, in der der öffentliche Gebrauch des Kurdischen verboten war, sodass seine Aufnahmen heimlich entstehen und verbreitet werden mussten. Dass seine Kunst überhaupt überlebte und die gesamte kurdische Welt erreichte, bezeugt sein Genie ebenso wie die Hingabe jener, die seine Stimme schätzten.

Er steht am Ende einer großen Reihe von Meistern, als Erbe einer Tradition, die über Generationen von Lehrer zu Schüler weitergegeben wurde. Dieses Erbe trug er bis zum Ende seines Lebens treu weiter. Dennoch starb er in Armut und Enttäuschung, mit dem Gefühl, sein Volk habe seine Dengbêj nicht so gewürdigt, wie es hätte tun sollen. Seine Geschichte handelt deshalb von Ruhm und Trauer zugleich: von der größten Stimme ihrer Zeit und der Vernachlässigung, die ihre letzten Jahre überschattete.


Inhalt

Wer war Sakiro?

Der König der Dengbêj

Das Wichtigste

Fakten im Überblick

Eine Familie im Exil

Die Verbannung von 1959

Die Reihe der Meister

Die Stimme

Die Lieder, die er weitertrug

Singen unter dem Verbot

Verbitterung und Vernachlässigung

Symbolik und Vermächtnis

Sakiro und die Kurden

Diskussionen und Missverständnisse

Verwandte Themen

Häufig gestellte Fragen

Quellen und weiterführende Literatur


Wer war Sakiro?

Sakiro, geboren als Sakir Deniz, lebte von 1936 bis 1996 und war der bekannteste kurdische Dengbêj des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Sänger aus dem Hochland von Serhad wurde für seine kraftvolle Stimme und sein gewaltiges Kilam-Repertoire gefeiert. Als Schüler des Dengbêj-Meisters Resoye Gopala und durch ihn als Erbe der Tradition Evdale Zeynikes trug er Hunderte Lieder über Liebe, Geschichte und Klage weiter. Er hielt die kurdische mündliche Kultur während einer Epoche von Verbannung und Verboten der kurdischen Sprache lebendig. Als König der Dengbêj geehrt, gehört er zu den herausragenden Gestalten kurdischer Musik.

Der König der Dengbêj

Unter Kurden ist Sakiro durch mehrere Ehrennamen bekannt, die seinen Rang ausdrücken. Er ist Sahe Dengbejan, der König oder Schah der Dengbêj; Kewe Ribat, das Rebhuhn von Ribat, eine Würdigung der Schönheit seiner Stimme; und Sakire Mezin, Sakiro der Große. Diese Titel stellen ihn an die Spitze seiner Kunst, als bedeutendsten Dengbêj der modernen Epoche und als Maßstab, an dem andere gemessen werden.

Mit dem Titel König der Dengbêj übernahm Sakiro einen Namen, der dem legendären Evdale Zeynike gehört hatte, dem Begründer der Serhad-Tradition ein Jahrhundert zuvor. Es war eine passende Erbschaft, denn Sakiro war in einem wirklichen, nachvollziehbaren Sinne Erbe dieser Tradition. Er wurde für das zwanzigste Jahrhundert, was Evdale Zeynike für das neunzehnte gewesen war: die größte Stimme seiner Zeit, der Sänger, in dem die gesamte Dengbêj-Kunst ihren vollsten Ausdruck fand. Evdale Zeynike war der König der alten Welt der Zusammenkünfte und Fürstenhöfe gewesen; Sakiro war der König der neuen Welt von Kassette und Radio.

Das Wichtigste

  • Sakiro, geboren als Sakir Deniz, war der berühmteste kurdische Dengbêj des zwanzigsten Jahrhunderts.

  • Er wurde als Sahe Dengbejan, als König der Dengbêj, geehrt.

  • Er lernte bei dem Meister Resoye Gopala, einem Erben der Tradition Evdale Zeynikes.

  • Seine Familie war von Vertreibung geprägt; 1959 wurde er nach Adana verbannt.

  • In den Jahren des Verbots der kurdischen Sprache nahm er etwa 65 Kassetten auf.

  • Er starb 1996 in Izmir in Armut und fühlte sich von seinem Volk vernachlässigt.

Fakten im Überblick

  • Name: Sakiro (geboren als Sakir Deniz); auch Sakire Mezin, Sakiro der Große

  • Lebenszeit: 1936 bis 1996 (manche Berichte nennen 1931 als Geburtsjahr)

  • Geburtsort: Ein Dorf im Bezirk Eleskirt von Agri, in der Region Serhad

  • Tätigkeit: Dengbêj, ein kurdischer Sänger und Erzähler von Kilams

  • Ehrentitel: Sahe Dengbejan, König der Dengbêj; Kewe Ribat, das Rebhuhn

  • Lehrer: Schüler des Dengbêj-Meisters Resoye Gopala

  • Überlieferungslinie: Reso war selbst ein Schüler Evdale Zeynikes

  • Stimme: Berühmt für stundenlanges Singen ohne Pause in einem hohen, kraftvollen Stil

  • Aufnahmen: Etwa 65 Kassetten, die während der Jahre des Sprachverbots verbreitet wurden

  • Tod: 1996 in Izmir, in Armut; sein Grab wird weiterhin besucht

Eine Familie im Exil

Nach dem üblichen Bericht wurde Sakiro am fünfundzwanzigsten Dezember 1936 geboren, manche nennen jedoch ein um wenige Jahre früheres Geburtsjahr. Sein Geburtsort lag in einem Dorf des Bezirks Eleskirt von Agri, im Hochland von Serhad im äußersten Osten. Einen großen Teil seiner Jugend verbrachte er im nahen Dorf Cemalverdi, genau jener Gegend, die mit dem großen Evdale Zeynike verbunden wird. Dort wuchs er von Kindheit an mit den Liedern der Dengbêj auf. Seine Familie gehörte zum Stammesverband der Zilan, einer der großen Stammesgruppen der Region.

Die Geschichte seiner Familie war von Vertreibung und Verlust geprägt, wie die so vieler kurdischer Familien jener Zeit und Gegend. Seine Vorfahren waren entwurzelt worden und durch die unruhigen Grenzgebiete der Region gezogen. Die Familie wurde tief von den Gewaltereignissen getroffen, die das Zilan-Tal um 1930 nach einem der großen kurdischen Aufstände des frühen zwanzigsten Jahrhunderts erschütterten. Sakiro wurde somit in eine Welt des Umbruchs geboren. Die Erfahrungen von Exil und Überleben, die sich durch die Geschichte seiner Familie zogen, sollten auch sein eigenes Leben und seine Lieder durchziehen.

Die Verbannung von 1959

Der härteste Schlag in Sakiros frühem Leben traf ihn 1959 als jungen Mann. In diesem Jahr wurden er und seine gesamte Familie innerhalb des Landes verbannt, gewaltsam aus ihrer Heimat im Hochland entfernt und weit entfernt in der südlichen Region Adana angesiedelt. Dies geschah im Rahmen der damaligen Maßnahmen gegen bestimmte kurdische Familien. Dort blieben sie sieben lange Jahre, fern der Berge und Gemeinschaften, aus denen ihre Lieder hervorgegangen waren.

Erst 1966 konnte die Familie schließlich zurückkehren, zunächst nach Mus. Zwei Jahre später ließ sie sich im Bezirk Karayazi von Erzurum nieder. Die lange Verbannung hinterließ Spuren im Menschen wie in seiner Kunst und vertiefte den Ton von Trauer und Sehnsucht, der einen großen Teil der Dengbêj-Tradition durchzieht. Sakiro kannte die Vertreibung und das Heimweh, von denen die alten Lieder sprachen, aus seinem eigenen Leben. Diese gelebte Erfahrung verlieh seinem Gesang eine Tiefe und Glaubwürdigkeit, die Zuhörer in jeder Note empfanden.

Die Reihe der Meister

Sakiros Größe entstand nicht in Isolation. Sie gelangte durch eine unmittelbare Reihe von Meistern zu ihm, durch jene lebendige Kette, über die die Dengbêj-Kunst weitergegeben wurde. Nach der Rückkehr seiner Familie aus der Verbannung wurde er Schüler des berühmten Dengbêj Resoye Gopala, meist Dengbêj Reso genannt, eines der bedeutendsten Sänger und Erzähler der Region Serhad. Reso erkannte die Gabe des jungen Sakiro und förderte sie. Sakiro lernte einen großen Teil seiner Kunst und seines Repertoires von ihm.

Reso selbst stand in derselben Überlieferungslinie, denn er war ein Erbe der Tradition Evdale Zeynikes, des grundlegenden Meisters der Serhad-Schule. So verläuft eine klare, eindrucksvolle Linie von Evdale Zeynike im neunzehnten Jahrhundert über Dengbêj Reso zu Sakiro im zwanzigsten: von Meister zu Schüler, von Stimme zu Stimme, über hundert Jahre hinweg. Indem Sakiro bei Reso lernte, erwarb er nicht nur Lieder, sondern nahm seinen Platz in einer lebendigen Tradition ein. Er wurde zum jüngsten Träger einer über Generationen weitergereichten Kunst. Er sang viele Kilams sowohl Resos als auch Evdale Zeynikes und hielt ihre Stimmen in seiner eigenen lebendig.

Die Stimme

Was Sakiro vor allem über seine Zeitgenossen hinaushob, war seine Stimme. Sie besaß außerordentliche Kraft und einen großen Umfang und konnte hohe, resonante Töne mit einer Klarheit und Ausdauer halten, die alle erstaunte, die sie hörten. Besonders berühmt war er dafür, stundenlang und nach manchen Berichten sogar tagelang Kilam um Kilam ohne Pause oder Wiederholung zu singen. Nur wenige Sänger irgendeiner Tradition konnten einer solchen Leistung von Gedächtnis und Ausdauer gleichkommen.

Er beherrschte zudem eine seltene, schwierige Gesangstechnik, eine Art verzierten Kehlgesangs mit einem unverwechselbaren Stocken des Atems. Nur sehr wenige Dengbêj konnten diese Technik ausführen; sie wurde zu einem Kennzeichen seines Stils. Sein Gesang gehörte zur klassischen Art des Serhad-Hochlands, ohne Instrumentalbegleitung. Die bloße menschliche Stimme trug das gesamte Gewicht des Liedes und ging bis an die Grenzen des Atems. In diesem schlichten, anspruchsvollen Stil war Sakiro unübertroffen. Allein seine Stimme konnte eine Versammlung über eine lange Winternacht hinweg in ihren Bann ziehen.

Die Lieder, die er weitertrug

Sakiros Repertoire war gewaltig und umfasste Hunderte Kilams. Er sang eigene Kompositionen, darunter Lieder über die Geschichte und die Leiden seines Volkes, sowie einen großen Bestand an Liebes- und Hochzeitsliedern. Zugleich sang er die ererbten Schätze der Überlieferung, die Kilams Resos und Evdale Zeynikes und die großen erzählenden Lieder der Kurden. Durch ihn ging die gesamte Welt des Dengbêj-Repertoires: Liebesgeschichten und Klagen, Lieder von Helden und Geschichte, darunter die Stoffe großer Destans wie Mem u Zin und Siyabend u Xece.

Zu seinen beliebtesten Liedern gehören Kilams, deren Namen Liebhaber kurdischer Musik in Ehren halten: Lieder von Liebe und Sehnsucht, von Fehden und Schlachten sowie Klagen über die Tragödien seines Volkes. Dazu zählt eine berühmte Klage über das Leid des Zilan-Tals, aus dem seine eigene Familie stammte. Wie die historischen Lieder von Dimdim bewahrten diese Kilams die Erinnerung an wirkliche Ereignisse und wirkliche Trauer. Indem Sakiro so viele Lieder seiner eigenen Hand und seiner Meister weitertrug, wurde er zu einer lebendigen Bibliothek der kurdischen mündlichen Überlieferung. Seine Aufnahmen bleiben eine ihrer reichsten Schatzkammern, die uns erhalten sind.

Singen unter dem Verbot

Sakiro übte seine Kunst in einer schwierigen Zeit aus. Während eines großen Teils seines Lebens war der öffentliche Gebrauch des Kurdischen in der Türkei, wo er lebte, verboten oder stark eingeschränkt. Wer auf Kurdisch sang, riskierte die Aufmerksamkeit der Behörden. Ihm standen keine kurdischen Plattenfirmen oder Radiosender frei zur Verfügung, wie es in einem anderen Land für Meryem Xan in Bagdad der Fall gewesen war. Seine Lieder mussten stattdessen auf anderen Wegen, im Verborgenen, bewahrt werden.

Dieser Weg war die Musikkassette. Wenn sich die Nachricht verbreitete, Sakiro komme in ein Dorf, machten die Menschen ihre Kassettenrekorder bereit. Während er sang, nahmen sie seine Kilams auf, damit seine Stimme kopiert und von Hand zu Hand durch die kurdischen Gebiete weitergegeben werden konnte. So entstanden etwa fünfundsechzig Kassetten seiner Lieder und wurden verbreitet, häufig heimlich. Schon das Aufnehmen und Weitergeben kurdischer Lieder konnte Verhaftung und Strafe nach sich ziehen. Durch diese einfache Technik und unter wirklichem Risiko erreichte Sakiros Stimme die gesamte kurdische Welt und wurde für die Zukunft gerettet, ähnlich wie die Aufnahmen des großen Karapete Xaco einen anderen Teil der Überlieferung bewahrten. Für eine verbotene Kultur wurde die Kassette zum Instrument des Überlebens.

Verbitterung und Vernachlässigung

Trotz all seines Ruhms war das Ende von Sakiros Leben von Not und Enttäuschung geprägt. Sein letztes Jahrzehnt verbrachte er in der westlichen Stadt Izmir, weit von seiner Heimat im Hochland entfernt. Dort starb er 1996 in Armut und unter schwierigen Umständen. Die größte Stimme seines Volkes war in ihren letzten Jahren in Bedürftigkeit geraten. Es gehört zu den traurigsten Tatsachen seiner Geschichte, dass ein so herausragender Künstler sein Leben in solcher Not beenden musste.

In seinen letzten Jahren wurde Sakiro verbittert, weniger gegenüber der Welt insgesamt als gegenüber seinem eigenen Volk. Er empfand, dass die Kurden ihre Dengbêj nicht so geschätzt und geschützt hätten, wie sie es sollten. Er soll in seiner Enttäuschung gesagt haben, andere Völker ehrten und feierten ihre großen Volkssänger und machten sie der Welt bekannt, während die Kurden ihre eigenen Meister in Hunger und Vernachlässigung sterben ließen. Dabei verwies er auf das schwere Ende seines eigenen Lehrers. Ob seine Klage berechtigt war oder nicht: Sie drückte eine wirkliche, schmerzhafte Wahrheit über die Unsicherheit des Dengbêj-Lebens aus und über die Verletzlichkeit eines mündlichen Erbes, dessen Überleben von der Fürsorge der Gemeinschaft abhing. Er starb mit dem Gefühl, der Schatz, den er trug, sei nicht angemessen geehrt worden.

Symbolik und Vermächtnis

Sakiro wurde zum Symbol dafür, dass kurdische Erinnerung und Sprache eine Zeit der Unterdrückung überdauerten. In einer Epoche, in der seine Sprache verboten war und die Kultur seines Volkes unter Druck stand, sang er. Seine Stimme trug die Geschichte, die Sorgen und die Freuden der Kurden zu Zuhörern, die sie anderswo nicht hören konnten. Er steht für die Kraft des Liedes, eine Kultur lebendig zu halten, wenn andere Wege verschlossen sind, und für die Würde einer Kunst, die sich nicht zum Schweigen bringen ließ.

Sein Vermächtnis besteht fort und wächst sogar. Seine einst heimlich geteilten Aufnahmen werden heute geschätzt und untersucht. Sie dienen als Schule für Menschen, die die Dengbêj-Kunst lernen wollen, so wie er einst von Aufnahmen und lebenden Stimmen seiner eigenen Meister lernte. In seinem Namen wurde eine Stiftung zur Bewahrung der Dengbêj-Kultur gegründet. Sein Grab in Izmir wird weiterhin von Menschen besucht, die ihn ehren. Auch gibt es Forderungen, seine sterblichen Überreste in das Hochland von Agri zurückzubringen, als Symbol dafür, dass Kurden ihre kulturellen Wurzeln zurückgewinnen und wertschätzen. Nach seinem Tod beginnt ihm jene Ehre zuteilzuwerden, die er zu Lebzeiten vermisste.

Sakiro und die Kurden

Sakiro nimmt in der kurdischen Welt einen Platz tiefer Zuneigung und Verehrung ein, als die Stimme, die die Dengbêj-Tradition durch die härtesten Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts trug. Für ein Volk, das seine Identität besonders durch Lieder bewahrte, während ihm andere Mittel lange verwehrt blieben, war er mehr als ein Unterhaltungskünstler: ein Hüter der Erinnerung, ein Verteidiger der Sprache und eine Quelle von Stolz und Trost. Für unzählige kurdische Familien waren seine Kilams der geliebte Klang ihrer eigenen Kultur in ihrem Zuhause, zu ihnen gebracht auf Kassetten, die seine Stimme trugen. Er steht neben Evdale Zeynike als einer der beiden bedeutendsten Meister der Serhad-Tradition.

In seinem Leben verdichten sich viele große Themen der modernen kurdischen Erfahrung: Vertreibung und Exil, die Unterdrückung von Sprache und Kultur, das Überleben des Erbes allen Widrigkeiten zum Trotz und die Spannung zwischen dem Ruhm eines Künstlers und einer Vernachlässigung, die ihn dennoch in Armut zurücklassen konnte. Sakiro zu erinnern heißt, neben einer großartigen Stimme auch ein ganzes Kapitel der Geschichte seines Volkes zu erinnern. Die Tradition zu ehren, der er diente, bedeutet, dem Erbe treu zu bleiben, das er um einen so hohen Preis weitertrug.

Diskussionen und Missverständnisse

War Sakiro wirklich der König der Dengbêj? Der Titel ist ein Ehrenname, Ausdruck der Liebe und Hochachtung, die man ihm entgegenbrachte, und kein formeller Rang. Vor ihm hatte ihn der grundlegende Meister Evdale Zeynike getragen. Sakiro so zu nennen bedeutet, ihn als bedeutendsten Dengbêj seiner eigenen Zeit und als Erben dieser großen Tradition anzuerkennen. Der Titel würdigt seine Größe und ist in diesem Sinne vollkommen verdient; man sollte ihn jedoch als Ehrung und nicht als tatsächlichen Thron verstehen.

Wann wurde er geboren? Gewöhnlich wird 1936 genannt, doch manche Berichte legen nahe, dass er einige Jahre früher, etwa 1931, geboren wurde. Diese Ungewissheit ist typisch für Menschen, die damals in ländlichen Gemeinschaften geboren wurden, wo nicht immer Aufzeichnungen geführt wurden. Am redlichsten ist es, festzuhalten, dass das genaue Jahr nicht gesichert ist, während der allgemeine Zeitraum seines Lebens klar bleibt.

War Sakiro eine politische Persönlichkeit? Er war in erster Linie Sänger und Hüter der Dengbêj-Tradition, kein Politiker. Da er jedoch in einer Zeit auf Kurdisch sang, in der diese Sprache verboten war, und manche seiner Lieder die Geschichte und die Leiden seines Volkes behandelten, besaß seine Kunst zwangsläufig eine Bedeutung über bloße Unterhaltung hinaus. Die eigene verbotene Sprache und die Geschichte des eigenen Volkes zu singen, war in diesem Zusammenhang ein Akt kultureller Bewahrung mit eigenem Gewicht. Am genauesten ist es, ihn als Künstler zu betrachten, dessen treue Ausübung seiner Tradition dem Werk Bedeutung verlieh, statt als politischen Aktivisten. Seine Lieder waren Akte der Erinnerung, und Erinnerung selbst war kostbar und umkämpft geworden.


  • Evdale Zeynike: der grundlegende König der Dengbêj, Meister jener Tradition, die Sakiro erbte

  • Die Dengbêj: die kurdische Sängertradition, die Sakiro in die moderne Zeit trug

  • Meryem Xan: die wegweisende Sängerin, die in einer anderen Zeit und einem anderen Land Aufnahmen machte

  • Filite Quto: das Destan, das Karapete Xaco bewahrte, ein weiterer großer Dengbêj

  • Mem u Zin: das große kurdische Liebesepos der gesungenen Überlieferung

  • Cembeli: das Liebesepos aus den Bergen, wie es die Dengbêj weitertrugen


Häufig gestellte Fragen

Wer war Sakiro?

Sakiro, geboren als Sakir Deniz, lebte von 1936 bis 1996 und war der bekannteste kurdische Dengbêj des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Sänger aus dem Hochland von Serhad war berühmt für seine kraftvolle Stimme und sein großes Kilam-Repertoire. Als Schüler des Meisters Resoye Gopala und Erbe der Tradition Evdale Zeynikes wurde er als König der Dengbêj geehrt. Er hielt den kurdischen Gesang durch Verbannung und die Jahre des Sprachverbots hindurch lebendig.

Warum wird Sakiro der König der Dengbêj genannt?

Der Titel Sahe Dengbejan, König der Dengbêj, ist ein Ehrenname, der die Hochachtung für ihn als bedeutendsten Dengbêj seiner Zeit ausdrückt. Zuvor hatte ihn der grundlegende Meister Evdale Zeynike getragen. Ihn auf Sakiro anzuwenden erkennt diesen als Erben der Tradition und als größte Stimme des zwanzigsten Jahrhunderts an. Es ist eine Würdigung seiner Größe und kein formeller Rang.

Wer war Sakiros Lehrer?

Nach der Rückkehr seiner Familie aus der Verbannung in den 1960er-Jahren lernte Sakiro bei dem berühmten Dengbêj Resoye Gopala, bekannt als Dengbêj Reso, einem der großen Sänger und Erzähler der Region Serhad. Reso war selbst ein Erbe der Tradition Evdale Zeynikes. Sakiro stand damit in einer unmittelbaren Reihe von Meistern, die bis ins neunzehnte Jahrhundert zurückreichte.

Warum wurde Sakiro verbannt?

1959 wurden Sakiro und seine gesamte Familie im Rahmen der damaligen Maßnahmen gegen bestimmte kurdische Familien innerhalb des Landes in die Region Adana verbannt, weit von ihrer Heimat im Hochland entfernt. Sie blieben dort sieben Jahre, bevor sie 1966 zurückkehren durften. Die Erfahrung von Verbannung und Heimweh prägte sein Leben und seinen Gesang tief.

Wie wurden Sakiros Lieder bewahrt?

Weil der öffentliche Gebrauch des Kurdischen zu seinen Lebzeiten in der Türkei verboten war, konnten Sakiros Lieder nicht über die gewöhnlichen Wege veröffentlicht werden. Stattdessen nahmen Menschen seine Kilams bei Auftritten auf Kassetten auf, häufig heimlich. Diese etwa fünfundsechzig Kassetten wurden unter wirklichem Risiko kopiert und in der kurdischen Welt weitergegeben. So bewahrten sie seine Stimme für die Zukunft.

Wie starb Sakiro?

Sakiro verbrachte sein letztes Jahrzehnt in Izmir und starb dort 1996 in Armut und Not. In seinen letzten Jahren wurde er verbittert und empfand, dass die Kurden ihre Dengbêj nicht so geschätzt und geschützt hätten, wie andere Völker ihre großen Sänger ehrten. Er starb enttäuscht, obwohl sein Ansehen und die ihm erwiesene Ehre seit seinem Tod stark gewachsen sind.


Quellen und weiterführende Literatur

Sakiro – Wikipedia

Sakiro – Grokipedia

Stiftung Dengbêj Sakiro und Dengbêj-Kultur – Über uns

Rudaw: Auf den Spuren des Dengbêj Sakiro in Izmir

Dengbêj Sakiro, Lebensgeschichte – Occo Mahabad

Wer war Resoye Gopala? – Bernamegeh

Dengbêj Sakiro: Stimme des kurdischen Volkes – Rojnameya Newroz

Dengbêj – Wikipedia