Einleitung

Sulaimaniyya (kurdisch: Silêmanî, auch Slemani) ist eine bedeutende Stadt im Osten der Region Kurdistan im Irak und Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements. Als zweitgrößte Stadt der Region gilt sie weithin als kulturelles und geistiges Herz Irakisch-Kurdistans: eine Stadt der Dichter und Universitäten, mit einem bekannt offenen politischen Klima und eine historische Hochburg der Patriotischen Union Kurdistans (PUK).

Dies ist der neueste Beitrag unserer geografischen Reihe über die Städte und Orte der Region: ihre Lage, ihre politische Kontrolle, ihre Bevölkerung und ihre Bedeutung für die kurdische Geschichte.


Kurzprofil

Gebräuchliche Bezeichnung: Sulaimaniyya (Slemani)

Kurdische Bezeichnung: Silêmanî

Land: Irak; Region Kurdistan, Hauptstadt des Gouvernements Sulaimaniyya

Bevölkerung: In der Stadt rund 850.000 (Schätzung 2025); zweitgrößte Stadt der Region

Bevölkerungsgruppen: Ganz überwiegend Kurden, mit kleinen arabischen, turkmenischen und assyrischen Gemeinschaften

Lage: Im Zagros auf etwa 880 m Höhe, umgeben von den Bergen Azmar und Goizha

Gründung: 1784 als Hauptstadt des kurdischen Fürstentums Baban

Bekannt für: Kurdische Literatur, die PUK und ein offenes geistiges Leben


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kurzprofil

Lage und Geografie

Bevölkerung und Gemeinschaften

Geschichte

Stadt der Dichter und Gelehrsamkeit

Sulaimaniyya heute

Zeittafel wichtiger Ereignisse

Debatten und Kontroversen

Bedeutung für die Kurden

Häufige Fragen

Quellen und weiterführende Literatur


Lage und Geografie

Sulaimaniyya liegt im Osten der Region Kurdistan im Irak, etwa 355 Kilometer nordöstlich von Bagdad und nahe der iranischen Grenze. Die Stadt befindet sich auf rund 880 Metern Höhe und ist von Bergen umgeben: den Gebirgszügen Azmar und Goizha im Nordosten, Baranan im Süden und den Hügeln von Tasluja im Westen. Dahinter öffnet sich die Schahrazur-Ebene. Die Gebirgslage sorgt für ein kühleres Klima als im Zentralirak und machte die Stadt seit Langem zu einem natürlichen Zufluchtsort und Knotenpunkt im Zagros.


Bevölkerung und Gemeinschaften

Die Einwohnerzahl der Stadt wird auf etwa 850.000 geschätzt. Damit ist sie nach Erbil die zweitgrößte Stadt der Region Kurdistan und eine der größten Städte des Irak. Die Bevölkerung ist ganz überwiegend kurdisch und spricht hauptsächlich Sorani. Kleinere arabische, turkmenische und assyrische Gemeinschaften ergänzen die gesellschaftliche Vielfalt. Sulaimaniyya ist seit Jahrzehnten als kulturelles Zentrum der Sorani sprechenden Kurden anerkannt. Die Stadt ist für ihr lebhaftes gesellschaftliches Leben mit unabhängigen Zeitungen, Universitäten und einer starken Tradition öffentlicher Debatten bekannt.


Geschichte

Sulaimaniyya ist eine vergleichsweise junge Stadt. Der kurdische Fürst Ibrahim Pascha Baban gründete sie 1784 und benannte sie nach seinem Vater Sulayman Pascha. Bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts war sie Hauptstadt des Fürstentums Baban, eines der bedeutendsten kurdischen Emirate. Im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum kurdischer Kultur und politischen Engagements. Sie war ein Stützpunkt der kurdischen Bewegung unter Persönlichkeiten wie Scheich Mahmud Barzandschi, der Anfang der 1920er Jahre ein kurzlebiges kurdisches Königreich ausrief. In der modernen Zeit wurde sie zum Kerngebiet der von Dschalal Talabani gegründeten Patriotischen Union Kurdistans.


Stadt der Dichter und Gelehrsamkeit

Sulaimaniyya wird als literarische Hauptstadt der Kurden gefeiert. Bereits in ihren frühen Jahren förderte die Stadt bedeutende kurdische Dichter wie Nalî, Mahwî, Piramerd und andere, die die moderne kurdische Literatur mitprägten. Die 1968 eröffnete Universität Sulaimaniyya ist die größte in Irakisch-Kurdistan. Außerdem beherbergt die Stadt Museen, Verlage und Forschungseinrichtungen. Bekannt ist sie auch für lebendige Newroz-Feiern und eine geistige Offenheit, die Schriftsteller, Künstler und politisch Engagierte aus der gesamten Region anzieht.


Sulaimaniyya heute

Heute ist Sulaimaniyya eine geschäftige Regionalstadt, deren Wirtschaft auf Handel, Dienstleistungen, Landwirtschaft und Tourismus beruht. Sie wird im Rahmen der Regionalregierung Kurdistans verwaltet, ist jedoch seit Langem eine Hochburg der PUK. Dadurch besitzt sie einen anderen politischen Charakter als die von der KDP dominierten Städte Erbil und Duhok. Sulaimaniyya gilt als vergleichsweise offen für Medien und gesellschaftliches Engagement. Zugleich erlebte die Stadt Proteste wegen wirtschaftlicher Not, ausbleibender Gehälter und mangelnder öffentlicher Dienstleistungen. Im Juli 2025 fand hier eine symbolische Veranstaltung statt, bei der PKK-Kämpfer Waffen zerstörten, nachdem die Organisation das Ende ihres bewaffneten Kampfes angekündigt hatte.


Zeittafel wichtiger Ereignisse

1784 — Ibrahim Pascha Baban gründet Sulaimaniyya als Hauptstadt Babans.

1784–1850 — Die Stadt ist Sitz des kurdischen Fürstentums Baban.

1920er Jahre — Scheich Mahmud Barzandschi führt kurdische Aufstände mit der Stadt als Stützpunkt.

1968 — Die Universität Sulaimaniyya wird gegründet.

1990er Jahre — Sulaimaniyya wird im Zuge innerkurdischer Rivalitäten zur Hochburg der PUK.

1992 — Erneute Anerkennung als kulturelles Zentrum der Sorani sprechenden Kurden.

2025 — PKK-Kämpfer zerstören in der Stadt Waffen, während die Organisation ihren bewaffneten Kampf beendet.


Debatten und Kontroversen

Sulaimaniyya steht im Mittelpunkt jener Rivalität, die Irakisch-Kurdistan prägt. Die Region Kurdistan ist faktisch zwischen der KDP mit ihren Zentren Erbil und Duhok und der PUK mit ihrem Zentrum Sulaimaniyya geteilt. Diese auf Clan- und Parteibindungen beruhende Spaltung mündete Mitte der 1990er Jahre in einen Bürgerkrieg und prägt bis heute Politik, Medien und Wirtschaft. Anhänger der PUK verweisen auf Sulaimaniyyas offene gesellschaftliche Kultur. Kritiker verschiedener politischer Richtungen benennen dagegen Korruption, ausbleibende Gehälter im öffentlichen Dienst und die Konzentration der Macht in Parteihänden. Diese Missstände haben wiederholt Proteste ausgelöst. Hinzu kommen wiederkehrende Spannungen mit Bagdad über Haushaltsmittel und Öl sowie mit der Türkei und dem Iran über grenzüberschreitende Einsätze gegen kurdische bewaffnete Gruppen. Dieses Porträt legt die konkurrierenden Sichtweisen dar, ohne sie aufzulösen.


Bedeutung für die Kurden

Für die Kurden ist Sulaimaniyya die kulturelle und literarische Hauptstadt der irakisch-kurdischen Welt und jene Stadt, die am stärksten mit kurdischer Dichtung, Journalismus und freier Meinungsäußerung verbunden wird. Als frühere Hauptstadt Babans und heutiges Herz der PUK bildet sie neben Erbil einen der beiden zentralen Pole der Region Kurdistan. Sie bleibt ein wichtiger Bezugspunkt des geistigen und politischen Lebens der Kurden.



Erbil, die Hauptstadt der Region Kurdistan.


Halabdscha, die Stadt im selben Gouvernement, die 1988 mit Chemiewaffen angegriffen wurde. Das nahe gelegene Chamchamal und die Region Garmian sowie die Region Kurdistan im Irak insgesamt.


Häufige Fragen

Wo liegt Sulaimaniyya?

Sulaimaniyya liegt im Osten der Region Kurdistan im Irak, etwa 355 km nordöstlich von Bagdad und nahe der iranischen Grenze. Die Berge Azmar, Goizha und Baranan umgeben die Stadt.


Ist Sulaimaniyya eine kurdische Stadt?

Ja. Die Bevölkerung ist ganz überwiegend kurdisch und Sorani sprechend. Sulaimaniyya gilt als kulturelle und literarische Hauptstadt Irakisch-Kurdistans. Daneben leben hier kleine arabische, turkmenische und assyrische Gemeinschaften.


Wer kontrolliert Sulaimaniyya?

Sulaimaniyya wird im Rahmen der Regionalregierung Kurdistans verwaltet, ist aber seit Langem eine Hochburg der Patriotischen Union Kurdistans (PUK). Darin unterscheidet sich die Stadt von den durch die KDP dominierten Städten Erbil und Duhok.


Wofür ist Sulaimaniyya bekannt?

Die Stadt ist berühmt für kurdische Dichter und Schriftsteller, beherbergt die größte Universität Irakisch-Kurdistans und gilt als Ort einer offenen geistigen und medialen Kultur. Sie wurde 1784 als Hauptstadt Babans gegründet.


Quellen und weiterführende Literatur

Sulaymaniyah — Wikipedia

Sulaymaniyah Governorate — Wikipedia

Baban — Wikipedia