Ibn al-Dahhak war ein kurdischer Grenzführer in byzantinischen Diensten, besiegt vom Statthalter von Tarsos. Seine kurze Überlieferung betrifft Konversion, Loyalität und eine nicht genau lokalisierte Festung.

Moderne Straße in Tarsos mit Fußgängern, Geschäften, Palmen und Moscheeminarett unter blauem Himmel
Tarsos im Dezember 2011. Die moderne Straße dient als regionaler Kontext, nicht als Identifizierung seiner Festung oder Darstellung der Stadt des zehnten Jahrhunderts. © Dosseman (Dick Osseman), 11 December 2011 · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia preview reproduced without creative changes.

Ein Anführer von al-Jafari

Die mittelbyzantinische Prosopographie nennt Ibn al-Dahhak einen kurdischen Stammesfürsten mit der Festung al-Jafari, vermutlich nahe Tarsos im byzantinisch-kalifalen Grenzgebiet. Der arabische Titel bezeichnet Führung unter Kurden, kein modernes Nationalamt oder feststehende Reichsgrenzen. [1]

Konversion und Loyalität

Die Prosopographie klassifiziert ihn als Konvertiten vom Islam zum orthodoxen Christentum. Nach Unterwerfung unter Romanos I. Lakapenos erhielt er kostbare Geschenke und die Anweisung zur Rückkehr in seine Festung. [1] Phillips ordnet die Konversion um 927 in die byzantinische Missionsgeschichte ein. [4] Persönliche Beweggründe fehlen.

Thamal und die Grenze

Der Eintrag zu Thamal ad-Dulafi setzt die Begegnung in den Sommerfeldzug 315 AH. Thamal besiegte byzantinische Truppen und vor der Rückkehr nach Tarsos auch Ibn al-Dahhak. [2] Dieser wurde gefangen und getötet. [1] Der konkrete Grenzkonflikt ist belastbarer als eine Vorbereitung aller späteren kurdischen Dynastien; er zeigt weiterhin handlungsfähige Grenzverwaltung.

927 oder 928

Thamals Rückkehr wird in Dhu al-Qa’da 315 AH angesetzt, dort umgerechnet als 28. Dezember 927–26. Januar 928; die Niederlage lag davor. [2] Aykans kurze Anmerkung gibt dagegen 928. [3] Daraus entsteht kein sicherer Todestag. Üblich ist die Zuordnung zum Ende 927, wobei die spätere Angabe 928 ausdrücklich sichtbar bleibt.

Was moderne Darstellungen leisten

Aykan verwendet den Fall für Verhandlungen kurdischer Notabler mit regionalen Mächten; Phillips für Konversionen in byzantinischem Zusammenhang. [3] [4] Beide verweisen auf die Prosopographie, sind also keine drei unabhängigen zeitgenössischen Zeugnisse. Belegt ist eine individuelle Veränderung, keine gemeinsame kurdische Konfession oder genealogische Verbindung mit Hasanwayhiden und Shaddadiden.

Grenzen der Biografie

Geburt, Eltern, familiäre Nachfolge und genaue archäologische Identifizierung der Festung bleiben ungesichert. Die Biografie beruht auf einer kurzen Episode; ein umfassenderes persönliches politisches Programm benötigt weitere Belege.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit, Ibn ad-Dahhak, no. 22685; biography and references to Ibn al-Athir and Ibn Khaldun.
  2. Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit, Thamal ad-Dulafi, no. 27558; campaign of 315 AH and note 6.
  3. Yavuz Aykan, On the Legal Status of Yezidis: Law, Geography and Confession-Building in Early Modern Kurdistan, 2022, pp. 673–700; p. 678, note 28.
  4. Russell J. Phillips, The Exception or the Rule? Historical Survey and Analytical Breakdown of Constantinople’s Missionary Work 398–1453, Glasgow MTh(R), 2022, p. 54, note 75.
  5. Dosseman (Dick Osseman), Tarsus 2704 Sk. in 2011 0962, photograph of 11 December 2011, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.