Izz al-Din Shir, auch Êzdînşêr, war ein kurdischer Herrscher im Raum Van, Vostan und Hakkari im späten 14. und frühen 15. Jahrhundert. Quellen zeigen lokale Rivalen, Timur und die Qara Qoyunlu statt einer einfachen Gründungsgeschichte.

Tatvan am Vansee mit gebogener Küste, Bahngleisen und Berghängen, vom Nemrut fotografiert
Vansee bei Tatvan, Herbst 2007, Evgeny Genkin. Moderner Blick auf die weitere Seenregion, kein Wohnsitz des Emirs oder mittelalterliches Bild. Evgeny Genkin / Wikimedia Commons · CC BY 2.5.

Herrschaft in einer älteren Landschaft

Hakkari bezeichnete eine Region und Bevölkerungsgruppen; die Grenzen entsprachen nicht der heutigen Provinz. Sinclair erkennt ein Fürstentum bereits in den 1340er Jahren. [1] Khachatrian warnt vor verwechselten gleichnamigen Herrschern. [2] Ein mächtiger Konsolidierer muss nicht erster Gründer eines bis ins 19. Jahrhundert unveränderten Staates gewesen sein. Van, Vostan, heute Gevaş, und Julamerk, heute Hakkari, waren verschiedene Zentren.

Timur: Widerstand und Anerkennung

Sinclair datiert Timurs Einnahme der Zitadelle von Van auf 1387: Unterwerfung, Freilassung und Wiederbelehnung durch Urkunde folgten. 1392 gewann Izz al-Din Shir Vostan von einem Bruder zurück. [1] Das beweist keinen Brudermord. Die Provinzdarstellung setzt die Begegnung mit Timur 1386 an. [3] Der Unterschied bleibt sichtbar; beide Berichte widersprechen ununterbrochener Souveränität.

Wechselnde Bündnisse

Sinclair beschreibt den Besuch bei Qara Yusuf in Täbris im Januar 1410, Vermittlung mit dem Herrscher von Schirwan und Kampf auf Qara Yusufs Seite im August. 1421 ließ der Emir Timurs Urkunde von Schah Ruch in Karabach erneuern. [1] Zusammenarbeit mit turkmenischen Herrschern und timuridische Oberhoheit gehörten zu dieser Politik. Spätere osmanisch-safawidische Konflikte erklären seine frühere Laufbahn nicht.

Abstammung und religiöse Beziehungen

Khachatrian behandelt Tovma Metsopetsis Verbindung Êzdînşêrs mit Senekerims Familie, die manche Historiker als mütterliche Artsruni-Abstammung deuten. Das ist kein vollständig belegter Stammbaum. Dieselbe Studie behandelt die Tötung des Katholikos Zakaria in Vostan 1393 und die Verwicklung des Emirs. [2] Eine pauschale Toleranzgeschichte greift deshalb zu kurz. Religiöse Chronistensprache ist aber kein Urteil über ein ganzes Volk.

Bauten und Namensvettern

Das Kulturinventar datiert das Halime-Hatun-Grabmal in Gevaş auf 1335 und nennt Melik İzettin Şir als Stifter. [4] Das beweist keine Vaterschaft zum späteren Emir. Die Provinzdarstellung unterscheidet frühere Namensvettern und schreibt die Medrese neben der Moschee einem späteren Izz al-Din Shir II zu, der 1491 getötet wurde. [3] Inschriften und Bauphasen sind einzeln zu prüfen.

Tod und Nachfolge

Die Provinzdarstellung nennt 1423 als Todesjahr und die spätere Tötung seines Sohnes Muhammad durch Iskandar. [3] Sinclair setzt Muhammads Vergiftung in oder vor den Feldzug von 1423 und die Einnahme Vans 1425 an. [1] Es ging um umkämpfte Nachfolge. Kolophone, Inschriften und Chroniken belegen unterschiedliche Aspekte; ein allgemeiner Aufschwung kurdischer Literatur durch den Emir ist damit nicht nachgewiesen.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Thomas Alexander Sinclair, The Government of the Van Region under the Kara Koyunlu, PhD thesis, University of Birmingham (1993), vol. 1, pp. 177–180, 186–191.
  2. Alexander Khachatrian, Mîrektiya Hekkariyê ya Kurdan, translated by Mehmet Şirin Filiz, Nubihar Akademi 4(11) (2019), pp. 127–142; translation of the 2003 study, especially pp. 128–133.
  3. Hakkari Provincial Directorate of Culture and Tourism, Hakkari Beyleri ve Beylerin Kökeni: regional dynastic account; chronology differs from Sinclair.
  4. Turkish Ministry of Culture and Tourism, Gevaş Halime Hatun Kümbeti, monument inventory no. 3: patron, 1335 date and inscription summary.