Mahmud Barzanji verwandelte religiöse und lokale Autorität in Sulaymaniyah in einen Anspruch auf kurdische Regierung. Britische Einsetzung, Aufstand 1919, Exil und Königtum 1922 markieren seine Laufbahn.

Religiöse und politische Autorität
Mahmud Barzanji, auch Mahmud Hafid, gehörte zur einflussreichen religiösen Familie Sulaymaniyahs. Tüfekçi nennt Sheikh Said als Vater und verbindet Großvater Kak Ahmad mit dem Qadiriyya-Orden. Er gibt die Geburtsjahre 1878 oder 1881 an. [1] Familienstellung erleichterte politische Vermittlung. Religiöses Ansehen, lokale Führung und der Anspruch auf Kurdistan waren jedoch verschiedene Autoritäten; sie erzeugten keine einhellige kurdische Gefolgschaft.
Eine umstrittene Nachkriegsordnung
Kilic untersucht Verhandlungen britischer Offiziere und kurdischer Notabler Ende 1918. Briten suchten eine Ordnung um Mahmud in Sulaymaniyah; örtliche Führer unterschieden sich bei Schutz, Autonomie und Verhältnis zum Irak. [2] Verwaltung entstand durch Aushandlung nach dem osmanischen Abzug, nicht durch gesicherte internationale Anerkennung eines unabhängigen Staates. Britische Erwartungen an einen kontrollierbaren Vermittler trafen auf Mahmuds weitergehenden Herrschaftsanspruch.
Aufstand und Gefangenschaft 1919
Die British Library verzeichnet die Machtübernahme in Sulaymaniyah am 25. Mai 1919 und britische Operationen bis zur Besetzung des Tals im Juni. Die Akte enthält Korrespondenz zu Haft, Urteil und möglicher Verlegung. [3] Tüfekçi beschreibt Verwundung und Gefangennahme bei Bazyan im Juni. [1] Das Todesurteil wurde umgewandelt, Mahmud nach Indien geschickt. [4] Aufstand im Mai, militärische Niederlage im Juni, dann Prozess und Exil: keine bereits im Mai abgeschlossene Verhaftungsgeschichte.
Rückkehr und Königstitel 1922
Wilding verbindet die Rückkehr mit britischer Sorge um türkischen Einfluss und Unruhen. Mahmud versprach, türkischen Einmarsch nach Sulaymaniyah zu verhindern und Kirkuk sowie Erbil nicht zu beeinflussen. Er verließ Bagdad am 20. September und erreichte Sulaymaniyah am 30. September 1922. Ein Dekret verkündete am 10. Oktober ein Kabinett; im November nahm er den Königstitel an. [4] Rückkehrbedingungen und königlicher Anspruch gerieten auseinander. Der Titel war ein Regierungsprogramm, keine gesicherte Anerkennung aller Nachbarn.
Krieg über 1923 hinaus
Tüfekçi beschreibt eine neue Regierung im Juli 1923 sowie Ultimatum und Bombardierung Sulaymaniyahs im Mai 1924. [1] Der QDL-Katalog von Higgins’ Kommandobericht 1924–26 verzeichnet fortgesetzte Boden- und Luftangriffe auf kurdische Dörfer, Strafoperationen in Hawraman und Grenzkooperation gegen Mahmud. [5] Krieg betraf Siedlungen und Wanderung ebenso wie Machtrivalitäten. Ein Kommandobericht zeigt militärische Prioritäten, aber nicht allein die Erfahrung jeder von Bomben und Vertreibung betroffenen Familie.
Späterer Widerstand und Erinnerung
Tüfekçi verfolgt Widerstand bis zur Unterwerfung Ende 1931 und datiert Mahmuds Tod auf den 9. Oktober 1956 in Bagdad, mit Überführung nach Sulaymaniyah. [1] Bedeutsam bleibt der Versuch, regionale Gefolgschaft in kurdische Regierung zu verwandeln, während imperiale und irakische Staatsbildung voranschritten. Dafür muss er weder zum ersten Denker kurdischer Selbstregierung erklärt noch jede spätere Bewegung als direkte Erbin dargestellt werden. Wechselnde Bündnisse, Regierungen und Niederlagen bilden eine eigenständige politische Geschichte.
Quellen und weiterführende Literatur
- Vedat Tüfekçi, “The Sheikh Mahmud Rebellion as Reflected in Ottoman Military Archives: A Struggle for Kurdish Independence under British Occupation”, International Journal of Kurdish Studies 11/2 (2025), pp. 628–664, DOI 10.21600/ijoks.1722635.
- Ilhan Kilic, Britain’s Kurdish Policy and Kurdistan 1918–1923, MPhil thesis, University of East Anglia (2018), especially pp. 30–31: postwar negotiations and differing expectations.
- British Library, IOR/L/PS/10/833/1, File 2879/1919 Part 1, “The Suleimanieh Outbreak” (1919–1921), archival catalogue description.
- Richard Wilding, “The Kingdom of Iraq and Sheikh Mahmud Barzanji’s Kingdom of Kurdistan”, Kurdistan Chronicle (30 December 2023): exile, the September return, cabinet and royal title.
- British Library, IOR/L/PS/20/C204, Iraq Command Report, April 1924–November 1926, John F. A. Higgins; Qatar Digital Library catalogue description used for the report’s scope and operations.