Einleitung

Vayu ist eine der ältesten und vielschichtigsten Gottheiten der zoroastrischen und iranischen Tradition: der Gott des Windes und der Atmosphäre, eine Gestalt mit zwei Wesensseiten, einem guten und hellen Aspekt, der der guten Schöpfung hilft und sie beschützt, und einem gefürchteten, dunklen Aspekt, der mit dem Tod und dem kalten Windstoß verbunden ist.

In der zoroastrischen Sicht wohnt Vayu im Zwischenraum zwischen den Reichen des Lichtes und der Finsternis, als Wind, der sich zwischen der Welt Ahura Mazdas oben und dem Reich Ahrimans unten bewegt. Er ist eine mächtige kriegerische Gottheit, die in ihrem guten Aspekt den Helden hilft und die Schöpfung beschützt; doch sein anderes Gesicht wird als jener Wind gefürchtet, der die Sterbenden hinwegträgt. Er wird in einer eigenen alten Hymne verehrt.

Wie die anderen Gottheiten des zoroastrischen Pantheons gehört Vayu zum gemeinsamen alten religiösen und mythologischen Erbe der iranischen Völker, einer Tradition, die die Kurden mit den Persern und anderen Völkern der iranischen Welt teilen und die tiefe indoiranische Wurzeln besitzt. Vayu kennenzulernen heißt, einer der eindrücklichsten und ambivalentesten Gestalten iranischer Mythen zu begegnen: der Gottheit des Windes, deren zwei Wesensseiten den Raum zwischen Gut und Böse überspannen.


Inhaltsverzeichnis

Wer ist Vayu?

Wind, Atmosphäre und Vata

Das Wichtigste

Fakten auf einen Blick

Die zwei Wesensseiten Vayus

Der gute Vayu, Beschützer der Schöpfung

Der gefürchtete Vayu und der Tod

Vayu im Zwischenraum

Symbolik und Bedeutung

Vayu und die Kurden

Debatten und Missverständnisse

Verwandte Themen

Häufig gestellte Fragen

Quellen und weiterführende Literatur


Wer ist Vayu?

Vayu ist die zoroastrische und iranische Gottheit des Windes und der Atmosphäre, eine Yazata oder ein verehrungswürdiges Wesen von hohem Alter und bemerkenswerter Vielschichtigkeit. Sein bestimmendes Merkmal ist seine Doppelnatur: Er besitzt einen guten und wohltätigen Aspekt, den guten Vayu, der ein mächtiger Beschützer und Helfer der guten Schöpfung ist, und einen dunklen und gefürchteten Aspekt, der mit Tod und Zerstörung verbunden ist. Er ist eng mit Vata verknüpft, einem anderen Namen und Aspekt der Windgottheit, und beide werden manchmal gemeinsam behandelt. In seinem guten Aspekt ist Vayu eine kriegerische Gottheit, die den Helden und Königen hilft, die Schöpfung des guten Geistes beschützt und um Sieg und Hilfe angerufen wird. In seinem gefürchteten Aspekt gilt er als der Wind, der die Sterbenden hinwegträgt, und als Macht des Todes. In der Überlieferung wohnt er im Zwischenraum zwischen dem Reich Ahura Mazdas oben und dem Ahrimans unten. Mit einer eigenen Hymne verehrt, gehört Vayu zu den ältesten und facettenreichsten Gestalten der iranischen religiösen Vorstellungswelt.

Wind, Atmosphäre und Vata

Vayu ist eine von zwei eng verwandten Windgottheiten der iranischen Tradition, die andere ist Vata. Beide Namen beziehen sich auf Wind und Atmosphäre und werden manchmal gemeinsam gebraucht oder als Vayu-Vata verbunden, lassen sich jedoch auch unterscheiden.

In der Überlieferung stehen Vayu und Vata beide für den Wind und die bewegte Luft, wobei einige Quellen sie unterscheiden: Vata als Wind in Bewegung, als natürlich wehender Wind, und Vayu als Gottheit der Luft und Atmosphäre, besonders der Luft in ihrer Ruhe oder ihrem kosmischen Aspekt. Die Namen sind alt und besitzen tiefe indoiranische Wurzeln, denn die Windgottheit wird mit der verwandten vedischen Tradition Indiens geteilt, wo eine Gottheit gleichen Namens und Wesens erscheint. Von beiden ist Vayu die bedeutendere und vielschichtigere Gestalt, jene mit dem ausgearbeiteten Charakter der zwei Wesensseiten, während Vata schlichter den Wind als natürliche und göttliche Kraft darstellt. Gemeinsam stehen Vayu und Vata für die iranische Verehrung von Wind und Atmosphäre als göttlicher Macht, der bewegten Luft, die den Raum zwischen Himmel und Erde füllt. Vayus Verbindung mit Wind und Atmosphäre und seine enge Beziehung zu Vata sind die natürliche Grundlage seines Charakters: die Gottheit der bewegten Luft, deren Doppelnatur die gegensätzlichen Aspekte des Windes selbst widerspiegelt, lebensspendend und zerstörerisch, sanft und wild. Als Gottheit des Windes und der Atmosphäre, mit Vata verbunden, nimmt Vayu seinen Platz im iranischen Pantheon ein, der alte Gott der bewegten Luft mit seinen bemerkenswerten zwei Wesensseiten.

Das Wichtigste

  • Vayu ist die alte zoroastrische Gottheit des Windes und der Atmosphäre.

  • Er hat zwei Wesensseiten: einen guten, schützenden Aspekt und einen gefürchteten, dunklen Aspekt.

  • Der gute Vayu hilft den Helden und beschützt die gute Schöpfung.

  • Der gefürchtete Vayu ist mit dem Tod und dem kalten Windstoß verbunden.

  • Er ist eng mit Vata verknüpft, einem anderen Aspekt der Windgottheit.

  • Er wohnt im Zwischenraum zwischen den Reichen des Guten und Bösen.

Fakten auf einen Blick

  • Bezeichnung: Vayu (auch Vai, Way); mit Vata als Vayu-Vata verbunden

  • Bereich: Der Wind, die Atmosphäre, der Zwischenraum

  • Wesen: Doppelt: ein guter Aspekt und ein gefürchteter Aspekt

  • Guter Vayu: Beschützer der Schöpfung, Helfer der Helden

  • Gefürchteter Vayu: Mit dem Tod und dem kalten Windstoß verbunden

  • Seine Hymne: Der Ram Yasht (Yasht 15), Vayu gewidmet

  • Wurzeln: Altindoiranisch; mit dem vedischen Vayu verwandt

  • Im Zurvanismus: Vata-Vayu verkörperte den Raum, neben Zurvan als Zeit

  • Wohnort: Der Raum zwischen den Reichen des Guten und Bösen

  • Erbe: Gemeinsame iranische religiöse und mythologische Tradition

Die zwei Wesensseiten Vayus

Das kennzeichnendste Merkmal Vayus ist seine Doppelnatur, seine zwei Gesichter oder Aspekte, die die spätere Tradition deutlich als den guten Vayu und den bösen Vayu unterschied, die helle und dunkle Seite der Windgottheit.

In der ausgearbeiteten Tradition, besonders in den späteren Pahlavi-Büchern, wird klar zwischen dem guten Vayu unterschieden, dem wohltätigen Aspekt, der zur guten Schöpfung gehört und ihr hilft, und dem bösen Vayu, dem dunklen und gefürchteten Aspekt, der mit Schaden und Tod verbunden ist. Der gute Vayu ist der Wind der oberen Luft, die helle und wohltätige Brise, die zum Reich des Lichtes gehört und dem Guten hilft; der böse Vayu ist der dunkle, kalte und zerstörerische Wind, der mit dem Reich der Finsternis und dem Tod verbunden ist. Diese Dualität spiegelt die gegensätzliche Natur des Windes selbst wider, der sanft und lebensspendend oder wild und zerstörerisch sein kann, und macht Vayu zu einer Gestalt, die die Trennung zwischen Gut und Böse auf eine unter den Gottheiten ungewöhnliche Weise überspannt. Die zwei Wesensseiten Vayus drücken die Ambivalenz einer Macht aus, die sich zwischen den Reichen bewegt und an beiden teilhat, des Windes, der zugleich Atem des Lebens und Hauch des Todes ist. Diese Doppelnatur ist Vayus bestimmendes und eindrücklichstes Merkmal, die Gottheit mit zwei Gesichtern, deren helle und dunkle Aspekte den gegensätzlichen Charakter des Windes und den von ihm bewohnten Zwischenraum widerspiegeln. Sie zeichnet ihn als eine der vielschichtigsten und ambivalentesten Gestalten der iranischen religiösen Vorstellungswelt aus, als Gott des Windes zwischen den Reichen des Guten und Bösen.

Der gute Vayu, Beschützer der Schöpfung

In seinem guten und wohltätigen Aspekt ist Vayu eine mächtige und kriegerische Gottheit, ein Beschützer der guten Schöpfung Ahura Mazdas und ein Helfer der Helden, Könige und Rechtschaffenen, der um Sieg und Beistand angerufen wird.

In seiner eigenen Hymne und andernorts in der Überlieferung wird der gute Vayu als mächtige Kriegergottheit gepriesen, schnell und stark, die denen hilft, die ihr Opfer darbringen, und die Schöpfung des guten Geistes beschützt. Die Helden und Könige der epischen und mythischen Tradition rufen ihn um Hilfe und Sieg an, und er verleiht der Sache des Guten gegen die Mächte des Bösen seine Kraft. In diesem Aspekt steht Vayu unter den strahlenden kriegerischen Gottheiten, neben Gestalten wie Verethragna, dem Sieg, und Tishtrya, dem Regenbringer, jenen Mächten, die der guten Schöpfung und den Rechtschaffenen in ihren Kämpfen beistehen. Der gute Vayu als Beschützer und Helfer drückt den wohltätigen und lebensspendenden Aspekt des Windes aus, die helle Brise der oberen Luft, die zum Reich des Lichtes gehört und dem Guten dient. Diese schützende und kriegerische Rolle ist das positive Gesicht Vayus, die mächtige Gottheit, die den Helden hilft und die Schöpfung bewacht und um Stärke und Sieg für die Sache des Guten angerufen wird. In diesem Aspekt ist Vayu am vollständigsten eine Yazata, ein verehrungswürdiges Wesen der guten Schöpfung, der mächtige Beschützer, dessen Hilfe die Rechtschaffenen suchen. Der gute Vayu steht somit für die helle und wohltätige Seite der Windgottheit, den Beschützer der Schöpfung und Helfer der Helden.

Der gefürchtete Vayu und der Tod

Der dunklere Aspekt Vayus ist mit dem Tod verbunden, dem gefürchteten Wind, der die Sterbenden hinwegträgt, und dem kalten Windstoß, der mit dem Reich der Finsternis verbunden ist. Dies ist das gefürchtete Gesicht der Windgottheit.

In der Überlieferung ist der dunkle oder böse Vayu eine Macht des Todes und der Zerstörung, der gefürchtete Wind, der mit dem Vergehen des Lebens und dem Reich des bösen Geistes verbunden ist. Dieser Aspekt wird eher gefürchtet als verehrt, die zerstörerische und tödliche Seite des Windes, der kalte und schädliche Windstoß, der Schaden bringt und die Lebenden hinwegträgt. Die Verbindung des Windes mit dem Tod ist alt und natürlich, jene unsichtbare Macht, die den Atem des Lebens nimmt, und in Vayu nimmt diese Verbindung die Gestalt seines gefürchteten Aspekts an. Dieser dunkle Aspekt muss innerhalb der umfassenderen Sicht verstanden werden: Der gefürchtete Vayu steht für das zerstörerische Potenzial des Windes und das beängstigende Gesicht einer Macht, die die Reiche überspannt, während der gute Vayu ein wohltätiger Beschützer bleibt. Beide werden in der vielschichtigen Gestalt Vayus zusammengehalten, der Gottheit, deren zwei Wesensseiten sowohl die lebensspendenden als auch die todbringenden Aspekte des Windes umfassen. Der gefürchtete Vayu und seine Verbindung mit dem Tod drücken die beängstigende Seite dieser ambivalenten Gottheit aus, das dunkle Gesicht des Windes, das die Tradition neben seinem hellen und wohltätigen Aspekt anerkennt. Diese Dualität von Beschützer und Todesbringer macht Vayu zu einer so eindrücklichen und vielschichtigen Gestalt, der Windgottheit, die sowohl den Atem des Lebens als auch den Hauch des Todes in sich trägt.

Vayu im Zwischenraum

Ein kennzeichnendes Merkmal Vayus in der Überlieferung ist, dass er im Zwischenraum wohnt und wirkt, dem Bereich der Luft und Atmosphäre zwischen der Welt des Lichtes oben, dem Reich Ahura Mazdas, und der Welt der Finsternis unten, dem Reich Ahrimans.

Als Gottheit der Atmosphäre und der bewegten Luft nimmt Vayu den Raum zwischen den Reichen ein, den Zwischenbereich, durch den der Wind weht. Dieser Ort im Zwischenraum ist mit seiner Doppelnatur verbunden, denn als Macht dieses Bereichs hat er sowohl am Reich des Lichtes oben als auch am Reich der Finsternis unten teil, was mit erklärt, warum er einen guten und einen dunklen Aspekt besitzt. In den Überlegungen des Zurvanismus, einer besonderen und inzwischen erloschenen Strömung der Tradition, die mit der Gestalt Zurvans, der Zeit, verbunden ist, wurde der Wind Vata-Vayu mit dem Raum als Gegenstück zur Zeit verknüpft; gemeinsam bildeten beide den Rahmen des Kosmos. Diese Vorstellung spiegelt das Verständnis Vayus als Macht des Zwischenraums wider, der Atmosphäre zwischen Himmel und Erde. Vayus Ort im Zwischenraum ist somit ein wichtiger Aspekt seines Charakters: die Gottheit des Zwischenbereichs, deren Doppelnatur und ambivalenter Charakter ihre Stellung zwischen den Reichen des Guten und Bösen widerspiegeln. Als Macht des Zwischenraums, als Wind der Atmosphäre, der sich zwischen den Welten bewegt, besitzt Vayu seinen besonderen Platz in der iranischen kosmologischen Vorstellungswelt, die Gottheit des Zwischenbereichs zwischen Licht und Finsternis.

Symbolik und Bedeutung

Vayu verkörpert vor allem die ambivalente und doppelte Natur des Windes, jener Macht, die zugleich lebensspendend und zerstörerisch, sanft und wild, Atem des Lebens und Hauch des Todes ist. In seinen zwei Wesensseiten steht er für die gegensätzlichen Aspekte einer einzigen Kraft und die Ambivalenz einer Macht, die die Trennung zwischen Gut und Böse überspannt.

Vayu verkörpert auch die Vorstellung des Zwischenraums, des Bereichs der Atmosphäre zwischen Himmel und Erde, Licht und Finsternis und der Mächte, die sich in diesem Zwischenbereich bewegen und wirken. Darin steht er für die kosmische Bedeutung von Luft und Wind als Medium zwischen den Reichen. In seinem guten Aspekt verkörpert er zudem die wohltätige und schützende Macht des Windes, die mächtige Gottheit, die den Helden hilft und die Schöpfung bewacht, während sein dunkler Aspekt das beängstigende und zerstörerische Potenzial derselben Kraft anerkennt. In alledem gehört Vayu zu den ältesten, vielschichtigsten und eindrücklichsten Gestalten der iranischen religiösen Tradition und verkörpert die Doppelnatur des Windes, die kosmische Rolle des Zwischenraums und die Ambivalenz einer Macht zwischen Gut und Böse. Er ist die Gottheit des Windes und der zwei Wesensseiten, der strahlende Beschützer und gefürchtete Todesbringer, eine der facettenreichsten Gestalten jener religiösen Vorstellungswelt, die die Kurden mit den anderen Erben der iranischen Tradition teilen.

Vayu und die Kurden

Wie die anderen Gottheiten des zoroastrischen Pantheons gehört Vayu zum gemeinsamen alten religiösen und mythologischen Erbe der iranischen Völker, einer Tradition, die die Kurden als iranisches Volk mit den Persern und anderen Völkern der iranischen Welt teilen und die tiefe indoiranische Wurzeln besitzt, welche bis zu den ältesten Schichten der Tradition zurückreichen.

Für die Kurden bildet das alte iranische religiöse Erbe einschließlich der Verehrung der Naturmächte und der vielschichtigen Gottheiten der alten Tradition einen Teil des tiefen Hintergrundes ihrer kulturellen und spirituellen Welt. Die Ehrfurcht vor dem Wind und den Elementen und die reiche Vorstellungskraft, die eine so vielschichtige Gestalt wie Vayu hervorbrachte, gehören zum breiten religiösen Erbe, das die iranische Welt teilt. Es ist redlich und zutreffend, Vayu als Teil dieses gemeinsamen alten iranischen Erbes zu verstehen, statt als ausschließlich kurdische Gestalt; er gehört zur gemeinsamen und sehr alten religiösen Tradition der iranischen Völker, mit Wurzeln, die sogar mit der verwandten vedischen Tradition Indiens geteilt werden. Als iranisches Volk mit alten Wurzeln in dieser Welt haben die Kurden neben den anderen Erben der iranischen Tradition Anteil an diesem Erbe, zu dem die Windgottheit Vayu gehört. Mit Vayu stellen wir somit eine Gestalt des gemeinsamen alten iranischen Erbes vor, dessen Erben die Kurden als iranisches Volk sind: eine der ältesten und vielschichtigsten Gottheiten jener religiösen Vorstellungswelt, die den Traditionen der Region zugrunde liegt.

Debatten und Missverständnisse

Widerspricht Vayus Doppelnatur dem zoroastrischen Monotheismus? Nicht, wenn sie richtig verstanden wird. Der Zoroastrismus ist grundlegend ein Glaube, dessen Zentrum Ahura Mazda als höchster Gott und Ursprung allen Guten ist, mit den Yazatas als verehrungswürdigen Wesen der guten Schöpfung unter ihm. Vayu ist eine alte und vielschichtige Gestalt, deren Doppelnatur die gegensätzlichen Aspekte des Windes und ihre Stellung im Zwischenraum widerspiegelt; die Tradition unterschied schließlich den guten Vayu, der zur guten Schöpfung gehört, vom dunklen, mit dem Tod verbundenen Aspekt. Bestimmte sehr alte und eindrückliche Passagen stellen Vayu auf eine Weise dar, die sein hohes Alter und die vorzoroastrischen Wurzeln dieser Gestalt widerspiegelt; innerhalb des ausgearbeiteten zoroastrischen Rahmens ist Ahura Mazdas höchste Stellung jedoch klar, und Vayus guter Aspekt ist eine Yazata der guten Schöpfung. Vayus Vielschichtigkeit lässt sich am besten als Merkmal seines alten Ursprungs und seines ambivalenten Charakters innerhalb des größeren monotheistischen Rahmens des Glaubens verstehen.

Ist Vayu derselbe wie der vedische Vayu Indiens? Sie haben einen gemeinsamen Ursprung. Der iranische Vayu und der vedische Vayu der indischen Tradition stammen beide von einer gemeinsamen indoiranischen Windgottheit von hohem Alter ab und teilen denselben Namen und den grundlegenden Charakter des Windgottes. Im Lauf der Zeit entwickelten sich beide jedoch auf eigene Weise innerhalb ihrer jeweiligen Traditionen; dabei erhielt der iranische Vayu seine kennzeichnende Doppelnatur und seinen Platz in der Kosmologie der Reiche. Ihre Beziehung besteht in einem gemeinsamen alten Ursprung und gemeinsamen Wurzeln: die Windgottheit, die sowohl der iranische als auch der indische Zweig der größeren Tradition erbten und dann jeweils eigenständig entwickelten. Dieser gemeinsame Ursprung gehört zum hohen Alter der Gestalt Vayu.

Ist Vayu eine spezifisch kurdische Gestalt? Nein; wie die anderen Gottheiten des zoroastrischen Pantheons gehört er zum gemeinsamen alten iranischen religiösen Erbe, einer Tradition, die die Kurden mit den Persern und anderen Völkern der iranischen Welt teilen, statt eine ausschließlich kurdische Gestalt zu sein. Als iranisches Volk haben die Kurden neben ihren Nachbarn Anteil an diesem breiten und alten Erbe, zu dem Vayu gehört.


  • Ahura Mazda: der Weise Herr, dessen Schöpfung der gute Vayu beschützt

  • Ahriman: der böse Geist des unteren Reichs der Finsternis

  • Zurvan: die Zeit, mit der Vata-Vayu als Raum im Zurvanismus verbunden wurde

  • Verethragna: der Sieg, eine weitere kriegerische Gottheit

  • Tishtrya: der regenbringende Stern, eine weitere Macht der guten Schöpfung

  • Mithra: der Herr des Bundes, eine weitere große Yazata

  • Die Amesha Spentas: die heiligen Unsterblichen der guten Schöpfung

  • Die Chinvat-Brücke: die Brücke der Toten, die der dunkle Wind, wie man fürchtete, bedrohte


Häufig gestellte Fragen

Wer ist Vayu im Zoroastrismus?

Vayu ist die alte zoroastrische und iranische Gottheit des Windes und der Atmosphäre, eine Gestalt von bemerkenswerter Vielschichtigkeit, die durch ihre Doppelnatur bestimmt wird. Er besitzt einen guten und wohltätigen Aspekt, den guten Vayu, einen mächtigen Beschützer der guten Schöpfung und Helfer der Helden, und einen dunklen, gefürchteten Aspekt, der mit dem Tod und dem kalten Windstoß verbunden ist. Er wohnt im Zwischenraum zwischen den Reichen des Lichtes und der Finsternis und wird in einer eigenen Hymne, dem Ram Yasht, verehrt.

Warum hat Vayu zwei Wesensseiten?

Vayus Doppelnatur spiegelt den gegensätzlichen Charakter des Windes selbst wider, der sanft und lebensspendend oder wild und zerstörerisch sein kann, und seine Stellung im Zwischenraum zwischen dem Reich des Lichtes oben und dem Reich der Finsternis unten. Die spätere Tradition unterschied den guten Vayu, der zur guten Schöpfung gehört und ihr hilft, vom dunklen, mit dem Tod verbundenen Aspekt. Als Macht des Zwischenbereichs hat er an beiden Reichen teil, was mit erklärt, warum er sowohl ein helles als auch ein dunkles Gesicht besitzt.

Was ist der gute Aspekt Vayus?

In seinem guten Aspekt ist Vayu eine mächtige und kriegerische Gottheit, ein Beschützer der guten Schöpfung Ahura Mazdas und ein Helfer der Helden, Könige und Rechtschaffenen, der um Sieg und Beistand angerufen wird. In seiner Hymne als schnell und stark gepriesen, verleiht er der Sache des Guten gegen das Böse seine Kraft und steht unter den strahlenden kriegerischen Gottheiten wie Verethragna und Tishtrya. Dieses schützende, wohltätige Gesicht ist die positive Seite der Windgottheit, die helle Brise der oberen Luft, die dem Guten dient.

Wie ist Vayu mit dem Tod verbunden?

Vayus dunklerer Aspekt ist mit dem Tod verbunden, dem gefürchteten Wind, der die Sterbenden hinwegträgt, und dem kalten, schädlichen Windstoß, der mit dem Reich der Finsternis verbunden ist. Die Verbindung zwischen Wind und Tod ist alt und natürlich: die unsichtbare Macht, die den Atem des Lebens nimmt. Dieser gefürchtete Aspekt wird in der Tradition neben dem guten Vayu anerkannt; gemeinsam bilden beide die vielschichtige Gestalt, deren zwei Wesensseiten sowohl den Atem des Lebens als auch den Hauch des Todes umfassen.

Welche Verbindung besteht zwischen Vayu und Vata?

Vayu und Vata sind zwei eng verwandte Namen und Aspekte der iranischen Windgottheit, die manchmal gemeinsam gebraucht oder als Vayu-Vata verbunden werden. Einige Quellen unterscheiden sie, wobei Vata der natürliche Wind in Bewegung und Vayu die Gottheit der Luft und Atmosphäre ist, besonders in ihrem kosmischen Aspekt. Von beiden ist Vayu die bedeutendere und vielschichtigere Gestalt mit der ausgearbeiteten Doppelnatur, während Vata schlichter den Wind als göttliche Naturkraft darstellt. Beide besitzen tiefe indoiranische Wurzeln.

Ist Vayu eine kurdische Gestalt?

Vayu gehört zum gemeinsamen alten zoroastrischen und iranischen religiösen Erbe, einer Tradition, die die Kurden mit den Persern und anderen Völkern der iranischen Welt teilen, statt eine ausschließlich kurdische Gestalt zu sein. Er ist von hohem Alter und besitzt indoiranische Wurzeln, die sogar mit der vedischen Tradition Indiens geteilt werden. Als iranisches Volk mit alten Wurzeln in dieser Welt haben die Kurden neben ihren Nachbarn Anteil an diesem Erbe, zu dem die Windgottheit Vayu gehört.


Quellen und weiterführende Literatur

Vayu (Vayu-Vata) - Encyclopaedia Iranica

Vayu-Vata – Überblick

Ram Yasht (Yasht 15) – Überblick

M. N. Dhalla, History of Zoroastrianism – über Vayu

Kurdish-History.com: Ahura Mazda

Kurdish-History.com: Ahriman

Kurdish-History.com: Zurvan

Kurdish-History.com: Verethragna